Vulkanasche lässt Kiwi-Plantagen wuchern

„Kiwi“ steht für den den neuseelandischen flugunfähigen Wappenvogel – aber auch für die hühnerei-große grüne Frucht. Nach dem Kiwivogel wurde Ende der 50er Jahre die Kiwifrucht benannt – damals aus Marketinggründen. Heute hat sich der Name für das Obst weltweit etabliert, große Belieferer des Weltmarkts sind mittlerweile neben Neuseeland auch Italien, Chile, Frankreich und Griechenland.

Kiwifrucht
Kiwiplantage


© Bildrechte links: Alexas_Fotos 20.06.2021, rechts: Pixamio @pixabay 20.06.2021

Das mit der Stachelbeere verwandte Obst ist eigentlich eine stark wuchernde Lianenpflanze aus China, aus deren starken Ranken dort früher z. B. Hängebrücken geflochten wurden. Die Lehrerin Mary Isabel Fraser brachte die ersten Samen aus einer Mission in Yichang im Jangtsekiangtal im Januar 1904 nach Neuseeland mit. Der Gärtner Alexander Allison pflanzte die Samen auf seinem Grundstück südlich von Wanganui in den Boden, wo dann 1910 erstmals Kiwi-Früchte auf neuseeländischem Boden geerntet werden konnten. Der Gartenbauwissenschaftler Hayward Wright züchtete aus dieser „Chinesischen Stachelbeere“ die Sorte Hayward, die noch heute einen Großteil der gehandelten Kiwifrüchte ausmacht. Um 1950 wurden diese in der Bay of Plenty angebaut und schon bald darauf nach Europa und Nordamerika exportiert. Leider unterließ es Hayward, sich diese Züchtung markenrechtlich international zu schützen. Und so beliefern heute eben auch viele andere Länder den Weltmarkt mit dieser Obstsorte.

Kiwis wachsen wie Buschwerk und werden wie Weinreben gezogen und geschnitten. Größte Anbaugebiete befinden sich an der Pazifikküste der Nordinsel (siehe Beitragsbild, vom Airvan aus), aber auch in der Nähe von Nelson (Nordwesten der Südinsel). Die Kiwi gedeiht in Neuseeland prächtig, was einerseits auf das milde Klima mit nur leichtem Frost im Winter zurückgeht, andererseits auf die mineralreichen Böden. Gerade im Norden findet man Gegenden, wo Vulkanasche dutzende Meter dicke Schichten bildet, was ja auch den Weinanbau begünstigt ( Wein oder Bier?).

Die Kiwifrucht ist zweihäusig, es gibt also männlich und weiblich blühende Einzelpflanzen. Einige Sorten, die auch in deutschen Gärten mittlerweile Verbreitung finden, sind „Zwitter“, d.h. sie haben einhäusige Blüten.

Zur Bestäubung benötigt man Insekten, und so ist die Imkerei ein wichtiges Gewerbe. Leider lieben Bienen die Kiwis nicht sehr. Daher lässt man die Völker ein Weilchen hungern, bevor die Stöcke in die blühenden Kiwiplantagen gestellt werden. Haben die Bienchen ihren ersten Hunger gestillt, halten sie sich wieder an andere Blüten und die Völker müssen ausgetauscht werden. Ein Glück für die Imkerei ist es übrigens, dass die Varoamilbe ihren Weg nach Neuseeland bislang nicht gefunden hat. Hier haben sich die strengen Quarantäne-Bestimmungen jedenfalls ausgezahlt.

Eine Kiwirebe trägt in Neuseeland bis zu 100 Früchte. Kleine oder geschädigte Früchte werden entfernt. Die Ernte ist April/Mai. Der genaue Erntezeitpunkt wird mit einem Zuckermessgerät ermittelt. Wenn eine gewisse frühreife Süße erreicht ist, geht es los: Kurzfristig erhalten Pflücker aus Asien eine Arbeitserlaubnis. Die Früchte werden in Lagerhallen transportiert und der Größe nach sortiert. Im Kühlhaus sind sie ohne Qualitätseinbußen neun Monate lagerfähig. Damit kann man den Exportzeitpunkt genau in die Jahreszeit steuern, wenn in anderen Ländern, z.B. Europa, tiefster Winter ist. Für den letzten Reifekick legt man übrigens Äpfel zu den Kiwis: Äpfel strömen Acetylenverbindungen aus und lassen die Kiwis nachreifen.

In jüngster Zeit macht den Kiwi-Anbauern die Pflanzenkrankheit PSA-V große Sorgen, die auch Weinreben befällt. Die Blätter bekommen schwarze Stellen, junge Triebe vertrocknen ebenso wie die Früchte, die Stämmchen bekommen schwarze wunde Stellen und bluten. Möglicherweise wurde sie mit Pollen aus Italien eingeschleppt, der zur künstlichen Befruchtung diente. In Italien hat die Krankheit die Weinanbaugebiete schon massiv geschädigt. Gegenmittel sind noch nicht bekannt, radikaler Rückschnitt ist – vergleichbar zur Monilia – das einzig wirksame Mittel. Nur die Plantagen bei Nelson sind bislang von der Krankheit verschont geblieben. Hoffnung setzen die Plantagenfarmer in resistente Neuzüchtungen, die möglicherweise noch in diesem Jahr 2012 für den Anbau freigegeben werden.

© Rechte am Beitragsbild: Ekrim 2012

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