„Gum-Digger“ stocherten nach Kauri-Bernstein

Bernstein hat nicht nur die Ostsee für sich gepachtet. Auch in Neuseelands Norden gab und gibt es ihn, wobei Baumharz, Copal (altes Baumharz) und Bernstein chemisch und physikalisch nur schwer voneinander abzugrenzen sind.

Schon die Maori fanden altes Baumharz am Fuße der Kauri-Bäume, wo es einfach aus dem Boden ragte. Sie machten damit Fackeln, da das Harz gut brennt (und dabei auch ziemlich stinkt), verbesserten damit ihre Fischfangquoten, denn Fische werden nachts vom Licht angezogen. Das Harz wurde auch als Kaugummi genutzt und als Pigment für die typischen Maori-Tätowierungen.

Die europäischen Pioniere beuteten das Harz im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts intensiv aus. Es wurde zur Herstellung guter Lackfarben, Linoleumböden, Formen für Zahnprothesen, Siegellacken, Klebstoffen verwendet und in vielen anderen Bereichen – quasi als früher Kunststoff-Ersatz. Ein besonderer Glücksritter-Typ, der „Gum-Digger“ zog durch den Wald und grub den Bernstein/das Harz aus, wo er es fand. In Sümpfen fand man häufig kleine „Nuggets“, die als „Chips“ bekannt waren. An Hängen von Hügeln fand man eher größere Klumpen. Die Mehrzahl der Klumpen erreichte etwa die Größe einer Eichel, es wurden aber auch einige mehrere Kilogramm schwere Klumpen gefunden. Der größte bekannt gewordene Fund wog etwa 25 kg.

Kauri-Copal unpoliert

© Bildrechte: ja:User:NEON / User:NEON_ja, CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons 24.06.2021

Unpoliertes Copal (Baumharz) vom Kauri-Baum

Als nichts mehr aus dem Boden ragte, stocherte man mit dünnen Metallstangen im Erdreich herum und roch am Ende der Stange nach dem Duft des Harzes, das anschließend ausgebuddelt wurde. Als nichts mehr im Boden war, gingen die Digger dazu über, die Kauri-Bäume gezielt zu verletzen, als wären es Gummibäume. Das ausfließende Harz konnten sie dann verkaufen wie das aus dem Boden. Aus den Diggern wurden also sozusagen „Climber“, die mit Spikes an Schuhen und Händen die Bäume erkletterten. Noch heute kann man in alten Kauri-Brettern die lippenförmigen Narben sehen, die nicht auf Seitenäste, sondern die Verwundungen durch Harzjäger zurückgehen.

© Rechte am Beitragsbild: Tatiana Gerus, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons 24.06.2021

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