Strom aus Wärme

In Deutschland hatte der Anteil des Energiemix’ aus regenerativen Quellen 2012 etwa 20% erreicht, in Neuseeland waren es damals schon etwa 70%. Bis 2025 sollten es 90% werden; in Deutschland wollte man bis 2020 “ehrgeizige” 35% erreichen. Den größten Anteil hatte damals in Deutschland erstaunlicherweise die Stromgewinnung aus Biogas, in Neuseeland spielten Wasserkraft und Geothermie die Hauptrolle. Das Beitragsbild zeigt eine Geothermie-Anlage bei Rotorua.

Überraschenderweise schaffte man 2019 in Deutschland schon einen Anteil von 46% [1] und rechnet für 2020 mit über 50%, wobei Windenergie mit 24,5% den Hauptanteil liefert. Neuseeland hatte 2018 immerhin einen Gesamtanteil von 80% geschafft [2], Wasserkraft war hier mit 57% dabei – Geothermie liegt bei immerhin 16% am Gesamtmix.

Die Energiegewinnung aus geothermischen Quellen zählt man gemeinhin zu den regenerativen Energien, da die Erdwärme in den oberen 5 km der Erdkruste rechnerisch den Energiebedarf der gesamten Menschheit für die nächsten 100 Jahre decken könnte. Spitzfindig gedacht ist der Begriff der “regenerativen” Energiequellen ein Nonsense, da erdgeschichtlich betrachtet auch die Sonne in einigen Millionen oder Milliarden Jahren ausgebrannt sein wird und erlischt – und damit auch Solar- und Windenergie nicht “unendlich” verfügbar sind. Alles andere würde auch dem Entropie-Grundsatz widersprechen, wonach die Welt auf einen Zustand der gleich verteilten Energielosigkeit, sozusagen langweiligen Mittelmäßigkeit, zustrebt.

In jedem Fall ist für Neuseeland in den kommenden Millionen Jahren hinsichtlich Energie-Gewinnung aus geothermalen Quellen noch einiges drin. Nach meinen Recherchen liegt das Potential der geothermischen Energieerzeugung in Neuseeland bei 3.600 MWe, was 70% des landesweiten Verbrauchs entspräche. Bisher (Stand 2012) werden nur 12% des Potentials genutzt (ca. 414 MWe installiert).
Der Anteil geothermischer Energie an der gesamten Primärenergieversorgung beträgt ca. 11%. Bei der Elektrizitätsgewinnung sind es ca. 7%. Es gibt bereits 13 Geothermie-Kraftwerke – und nicht etwa nur drei, wie uns erzählt wird.

Es müssen ja auch nicht immer riesige Anlagen sein – die Zukunft liegt wohl eher bei kleineren, leichter steuerbaren Blockanlagen, vielleicht auf der Grundlage der Stirling-Technologie. So wäre mein Vorschlag: Hier könnte man doch etwas forschen und eine Menge erreichen. Denn für diese Technik reichen bereits wenige Grad Temperaturunterschied zur Stromerzeugung aus. Übrigens wird in den deutschen Alpen schon Strom aus der (stets wärmeren) Tunnelabluft gewonnen. Deutsche Firmen sind in Neuseeland recht aktiv und haben hinsichtlich der “renewables” einen guten Ruf.


[1] erneuerbareenergien.de: Sensationelle 46 Prozent Erneuerbare im Strommix 2019.
[2] The agility effect: Wasserkraft – im neuseeländischen Energiemix von zentraler Bedeutung


© Rechte am Beitragsbild: Ekrim 2012

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