Neuseeland: Land des Feuers

Im ersten Stock des Auckland Nationalmuseums gibt es rechts die Nachbildung eines neuseeländischen Eigenheims. Über die Holzterrasse kommt man ins Wohnzimmer und kann auf dem Sofa Platz nehmen, während in einem Fernseher die neuesten (gefakten) Nachrichten laufen. Ein großer Plasmaschirm simuliert den Blick auf die gegenüberliegende Insel mit dem erloschenen (?) Vulkan Rangitoto. An der Tür draußen wird davor gewarnt, Kinder mit hineinzunehmen, das schreckt aber mehrere Eltern nicht ab, auch 3- oder 4-jährige mit ins Spektakel zu führen.

Die Nachrichtensprecherin berichtet von Temperaturerhöhungen im Boden, vom Austritt von Gasen hier und da, wie am Anfang eines der handelsüblichen Katastrophenfilme. Dann tut es einen Schlag, die Kinder schreien auf, die ganze Bude wackelt. So können sich Erdstöße anfühlen. In der Bucht auf dem Plasmaschirm beginnt es zu brodeln, das Licht und der Fernseher gehen aus. Der entfernte Vulkan eruptiert glühend rot und dunkle Wolken steigen auf. Wo eben noch das Seewasser der Bucht brodelte, gibt es eine große Explosion und ein neuer Vulkankegel steigt empor. Immer wieder wackelt jetzt das Wohnzimmer. Eine graue wabernde Wand aus heißer Asche und giftigen Gasen rollt unaufhaltsam auf Auckland, auf uns, zu. Die ersten Häuser werden einfach verschluckt, immer näher rollt die Wand und es gibt keine Fluchtmöglichkeit mehr. Die Kinder weinen und dann wird alles schwarz. Wäre das keine leicht makabre Vorführung, dann wären wir jetzt alle tot.

Auckland liegt direkt auf einem Vulkangebiet des sogenannten pazifischen Feuerrings (Beitragsbild). Etwa 48 Vulkane gibt es auf 360 Quadratkilometern Fläche. Man nimmt an, dass diese vor etwa 200.000 bis 250.000 Jahren entstanden. Der letzte Ausbruch war der des Rangitoto vor 600 Jahren. Nach geologischen Maßstäben gilt das Vulkangebiet als „sehr jung“. Dass einer der vorhandenen Vulkane erneut ausbricht, gilt als unwahrscheinlich. Jederzeit möglich ist es aber, dass aus der riesigen Magmablase unter Auckland heiße Gase aufsteigen, wenn sie auf Wasser stoßen eine Explosion verursachen und so eventuell ein neuer Vulkan entsteht.

Üblicherweise schließen Versicherungen höhere Gewalt aus; hier in Neuseeland kann man Haus und Grundstück (bis 100.000 $) gegen Erdbeben, Tsunami, Vulkanausbrüche oder andere Katastrophen versichern. Jeder wird angehalten, zu Hause eine Atemmaske und Augenschutzbrille vorzuhalten, Notfall-Vorräte an Wasser und Essen für mindestens 3 Tage für die „Familie und Haustiere“ zu horten. In die Notfallausrüstung gehören ein batteriegetriebenes Radio, eine Taschenlampe, Ersatzbatterien, ein Grundstock an Medikamenten, ein Staubsauger mit Ersatzbeuteln sowie – sinnigerweise – Schaufel und Besen.

© Rechte am Beitragsbild: Rémih, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons 24.06.2021

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