Berliner U-Bahn ohne Graffiti!

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Möglicherweise ist sie die kürzeste U-Bahn der Welt mit nur einer echten Haltestelle und zwei End-Bahnhöfen, die „Kanzler-U-Bahn“ U55 von „Brandenburger Tor“ über „Bundestag“ nach „Hauptbahnhof“. Steigt man am Brandenburger Tor von der S-Bahn um in die noble Politiker- und Touristenlinie, droht fast ein Kulturschock. Hier noch die ollen blassgrünen Fliesen aus den 1930er Jahren, billiger Asphalt-Estrich auf dem Bahnsteig mit Spuren verschütteten Biers und Erbrochenem, festgetretene Kaugummis, Müll. Alte harte Holzbänke und der typische Muffgeruch des Berliner Untergrunds.

Dort teure Steinfliesen, geleckte Sauberkeit, Helligkeit, Weitläufigkeit, Duft frischen Betons. Lehrreich gestaltete Wände mit historischen Abbildungen und Texten. Am „Brandenburger Tor“ schmücken Fotos und Gemäldereproduktionen die Wände, ein musealer Rückblick auf 200 Jahre Geschichte des Tores. Der Bahnhof „Bundestag“ zeigt großflächige Fotos aus der Bauzeit der Bahnlinie. Und am Hauptbahnhof kann man die Berliner Bahnhöfe studieren – wie sie vor 100 bis 110 Jahren aussahen. Ein BVG-Mitarbeiter mit einem Augenzwinkern: „Eine Linie für Touristen und die Reichen und Schönen“. Ja, es gibt sie: eine Berliner U-Bahn ohne Graffiti.

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Die 1,8 Kilometer lange Strecke wurde am 8. August 2009 eingeweiht. Bis 2019 soll sie als U5 wenigstens zum Alexanderplatz verlängert werden für Gesamtkosten von 650 Millionen Euro. Wegen einer fehlenden Anbindung an das Berliner U-Bahn-Netz waren U-Bahnwagen am 23. und 24. Juli 2009 mit einem Kran durch eine Deckenöffnung in der Nähe der Invalidenstraße auf das Gleis abgelassen worden und fahren seither im Pendelbetrieb.

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Pläne für die Linie gibt es seit den 1950er Jahren. Im Ergebnis soll die U-Bahn von Tegel über Jungfernheide (Anschluss U7, Nordring der S-Bahn), Moabit (Anschluss zur U7 Turmstraße), Hauptbahnhof, Bundestag, Brandenburger Tor, Unter den Linden (Übergang zur U6), Museumsinsel, Berliner Rathaus bis zum Alexanderplatz fahren (Beitragsbild: Künftiger Verlauf der Berliner U55 als U5 = gestrichelte Linie). Eine touristisch sicher spannende Strecke, die man gerne schon 20 Jahre früher gehabt hätte.

Aber in Berlin dauert alles halt etwas länger – wie man am Flughafenbau „Willy Brandt“ sieht. Brandt hätte sicher gerne auf die zweifelhafte Ehre verzichtet, als Namensgeber herzuhalten.

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