Speed

Anfang der 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts kam der Film „Koyaanisqatsi“ in die Kinos, erster Teil einer viereinhalbstündigen Experimental-Trilogie, die man eigentlich nur bekifft bis zum Ende aushalten kann. Der Film besteht aus assoziativen Bildsequenzen und von Philip Glass komponierter Musik und hat eigentlich keine Handlung. Er geht um eine indianische Weissagung, wonach die Welt aus den Fugen geraten würde, wenn die Menschen sich von der Natur entfernen. „Koyaanisqatsi“, das mit „Leben im Ungleichgewicht“ übersetzt werden kann, ist ein Wort aus der Sprache der Hopi.

© Videorechte: thesumofparts, Youtube-Terms 14.06.2021

Von einer eindringlichen orgelnden Musik und dem immer wieder mit tiefer Stimme bedeutungsschwanger gesungenen Ko-jahhh-nis-quatsi untermalt, sieht man slowmotion- oder Zeitraffer-Bilder der menschlichen Zivilisation. Nächtlicher Autoverkehr in der Stadt, umweltverschmutzende Fabriken, geometrische Muster riesiger landwirtschaftlicher Flächen, treibende Menschenmassen, eine lange Sequenz zeigt eine explodierende Rakete, deren Teile langsam zu Boden sinken.

„Wenn wir wertvolle Dinge aus dem Boden graben, laden wir das Unglück ein.
Wenn der Tag der Reinigung nah ist, werden Spinnweben hin und her über den Himmel gezogen. Ein Behälter voller Asche wird vom Himmel fallen, der das Land verbrennt und die Ozeane verkocht.“

Koyaanisqatsi Logo

© Bildrechte: Godfrey Reggio, Public domain, via Wikimedia Commons 04.07.2021


© Bildzitate aus Koyaanisqatsi, thesumofparts 05.07.2021

Zurück blieb das Gefühl sinnlosen Getriebes, puren Aktionismus‘ ohne Ziel und Zweck, wuchernder Zerstörung, an der wir alle teilhaben, bis zur Katastrophe, welche ebenso sinnlos und überflüssig wäre, aber irgendwie konsequent und selbstverschuldet bei all dem Wahnsinn. Mir machte der Film extrem schlechte Laune.

Tatsächlich scheint die Welt aus den Fugen zu sein, vor allem die Arbeitswelt. Alles wird zu einer Art menschlichem Ameisenhaufen. Ein Gesamtziel ist nicht erkennbar. Es gibt nur Partikularinteressen einzelner. Immer verzweifelter wirkender Aktionismus auf der Jagd nach Geld, Macht, Erfolg, Anerkennung. Speed ist alles. Kampf um die Bewältigung des Alltags, Standhalten bis zum Umkippen.

Wir haben vergessen, dass das Leben begrenzt ist, dass wir Teil der Natur sind, dass wir Glück nur finden können, wenn wir uns mit unserer Natur versöhnen. Wenn wir anhalten, Teil werden, Anteil nehmen. Wenn wir Leben im Gleichgewicht fänden.

© Rechte am Beitragsbild: Ekrim 2013

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