Der höchste Geysir der Welt …

… findet sich in Deutschland, auf der Halbinsel Namedyer Werth bei Andernach am Rhein – wer hätte das gedacht! Sein stark kohlensäurehaltiges etwa 20 Grad kühles Wasser spritzt er alle 100 Minuten ca. 50 Meter hoch, angeblich sind es sogar “bis zu 60 Meter”.

Blick vom Infozentrum auf
den Rhein.

Mit einem Ausflugsdampfer geht’s von der Anlegestelle am “Erlebniszentrum Geysir” (Beitragsbild: Blick vom Infozentrum auf den Rhein) 15 Minuten rheinabwärts zum Naturschutzgebiet. Ein sonnengebräunter Mitarbeiter öffnet das Tor am Landesteg, das Geysirgelände an der Bundesstraße 9 ist zwei Meter hoch von dickem Stahlzaun gesichert wie ein Atomkraftwerk. Unter der Hochbrücke der B9 durch geht es zu einem Platz mit Kapelle, der Erste-Hilfe-Rucksack hängt am Fenster. Der Mitarbeiter erläutert den Mutigen direkt an der Quelle, wie es zum Wasserstrahl in regelmäßigem Intervall kommt. Im steinumsäumten Becken blubbert es ruhig vor sich hin (Beitragsbild), nur die Nässe um uns herum deutet an, dass es nicht so gemütlich bleiben könnte.

Dann schäumt es ein Weilchen etwas mehr und mit einem Schub steigt eine weiße Wassersäule einen Meter in die Höhe, schraubt sich dann langsam immer weiter empor, wird dabei dünner und druckvoller, bis sie ihre volle Pracht für ca. 6 Minuten bei maximaler Größe entfaltet. Langsam sackt die imposante Säule anschließend nieder und wird wieder zum sanft blubbernden Quellchen. Der sonnengebräunte Geysir-Mitarbeiter verteilt Kostproben des Geysir-Wässerchens an die Besucher mit Kelle aus Eimer. Es schmeckt leicht schwefelig, ansonsten fast etwas süß, angenehm bitzelig.

geysir-bau
geysir-hoch
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Ein Geysir wird gebaut (links), 2001. Der Strahl in voller Höhe (© Annett Deistung (Eigenes Werk) [CC BY-SA 3.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0, via Wikimedia Commons). Geysir-Becken mit Parkanlage (rechts).

Schade nur, dass der Geysir eigentlich ein Fake ist, auch wenn er als Rekordphänomen ins Guinnessbuch aufgenommen wurde. Da gibt’s an anderen Stellen der Welt Natürlicheres zu bewundern ( Whakarewa­rewa­tangao­teope­tauaa­wahiao). Aber Andernach hat den längsten!

Ursprünglich gab es nämlich nur ein paar Gasblasen im Altwasserarm des Namedyer Werths, über die man sich so von Andernacher zu Andernacher um 1900 erzählte. Erst als die Namedyer Sprudel GmbH mit schwerem Gerät nachbohrte, um Kohlensäure und Sprudel zu gewinnen, stieg 1903 unerwartet eine Wassersäule aus dem künstlichen Loch. Und das ging so bis 1957, wie alte Postkarten belegen. Der vom Eifel-Vulkanismus angetriebene Springbrunnen lockte Ausflügler an, bis das Brunnenrohr verrostet war und der Kunstgeysir versiegte.

Aber da wir alle für Ausflugsziele und Sehenswürdigkeiten dankbar sind, wurde 2001 nachgebohrt. Erfolgreich, denn seit 2008 spritzt er wieder, der Andernach-Geysir.

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