We came in peace for all mankind

Im National Air & Spacecraft-Museum an der Washington Mall (Washington D.C.) stehe ich vor einer Mercury-Raumkapsel (Beitragsbild) und erkenne sie zuerst gar nicht. Denn sie erscheint so klein und der Pilotensitz so mini-dimensioniert, dass ich nicht glauben kann, dass dort ein Mensch hineinpasst. Selbst für einen Schimpansen wird es eng, denke ich. Der Blick wandert nach links und rechts, bis ich die beiden Löcher entdecke, die vom Sitz fortführen. Da waren offenbar die Beine zu verstauen, Spielraum nach links und rechts keine fünf Zentimeter. Hinzu kam noch der Raumanzug, in dem alles stattfand: essen, trinken, schlafen … und zum Pinkeln oder Kacken gab es eine integrierte Windel, Wechseln allerdings ausgeschlossen. John Glenn umkreiste 1962 als erster amerikanischer Astronaut in solch einer Kapsel dreimal die Erde. Welch ein Kontrast: diese unglaubliche Enge hier drin und die unglaubliche Weite des Alls da draussen (während man in seiner eigenen Scheisse schwebt). Zum „Helden“ wird man, wenn man bereit ist, die kleinen schmutzigen Details zu verschweigen …

Etwas grösser, aber kaum geräumiger: die Gemini-Kapsel im Eingangsbereich des Museums, mit denen jeweils zwei amerikanische Astronauten in die Erdumlaufbahn geschossen wurden. Mercury bot einem Menschen gerade 1,4 Kubikmeter Platz, Gemini immerhin schon 2,28 Kubikmeter. Das Gemini-Programm der NASA gilt als Vorläufer des Apollo-Programms. In der Apollo-Kapsel gab es dann immerhin gut 3 Kubikmeter Platz je Mensch.

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© Bildrechte: Ekrim, according to Smithsonian Terms & Conditions 2014

Links: über den Besuchern schwebt eine alte Apollo-Kapsel. Rechts: ein Triebwerk der Saturn 5 – sie hatte fünf davon.

Eine ganze Abteilung ist dem Mondlandeprogramm gewidmet. Hier geht es mehr um Show als um Wissenschaft, aber als Raumfahrtfan einmal direkt unter einer Apollo-Kapsel zu stehen oder neben einer Original-Mondlandefähre, vor einem der riesigen Saturn-5-Triebwerke, das hat schon was.

© Bildrechte: Ekrim, according to Smithsonian Terms & Conditions 2014

Die Mondlandefähre: zerknautschte Blechbüchse auf Insektenbeinchen.

An der Mondlandefähre von Apollo 11 war eine Plakette angebracht, die sich an künftige Generationen richtete – oder an Ausserirdische: „We came in peace for all mankind“ stand dort unter anderem. 1969 war dies vor dem Hintergrund des brutalen und sinnlosen Vietnamkriegs eine nicht ganz widerspruchsfreie Aussage, aber da der Mond bisher komplett unbewohnt war, auch nicht zu widerlegen. Die Landefähre wirkt äusserlich irgendwie chaotisch, durch ihre unsymmetrische Form, locker mit metallener oder schwarzer Folie umklebt, die vor Strahlung, Temperatur und Mini-Asteroiden schützen sollte. In Dokumentarfilmen wie den nächtlichen Wiederholungen im Dritten, den „Space Cowboys“, macht die Fähre einen professionelleren, kompakteren, glänzenderen Eindruck, hier steht vor mir eine dürftig in altes Geschenkpapier verpackte, zerknautschte Blechbüchse auf Insektenbeinchen.

© Bildrechte: Ekrim, according to Smithsonian Terms & Conditions 2014

Allerlei vorgebrachte geologische Informationen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Sinn des Apolloprogramms vor allem ein propagandistischer war. Aber trotzdem schaue ich gerne gebannt auf die Stückchen Mondgestein, die hier ausgestellt werden. Nichtssagende schwarze oder graue Lavabröckchen könnten es sein, aber noch nie war ich dem Erdtrabanten so nahe!

Links: Nach der Sensation von Apollo 11 ebbte das Interesse am Mondprogramm der NASA schnell ab – obwohl jede Mission neue Sensationen mitbrachte, wie der Besuch von Surveyor 3 bei der Apollo 12 Mission (siehe Bild unten) oder die Rettung von Apollo 13.


© Bildrechte: NASA/Pete Conrad, Public domain, via Wikimedia Commons, bearb. v. Ekrim 12.07.2021

Die Sonde Surveyor 3 war am 20. April 1967 auf dem Mond gelandet. Am 19. November 1969 landete etwa 180 Meter entfernt Apollo 12. Die beiden Astronauten wanderten am 20. November von der Mondfähre (im Hintergrund) zur Sonde, untersuchten diese und nahmen u.a. die Kamera mit, welche im Air- und Spacecraft-Museum in Washington ausgestellt ist. Auf der Kamera wurden Bakterien gefunden, die 2 Jahre im Vakuum überlebt hatten.

1969-1972 liefen die Mondlandungen von Apollo 11-17, also schon eine Weile her – so ca. 45-50 Jahre. Heute mag es unglaublich erscheinen, dass man damals mit Rechenschieber und Improvisationstalent erfolgreiche Raumfahrt betrieb. Die ersten „Computer“, welche an Bord waren, erscheinen heute lächerlich. Dies war vermutlich auch der Nährboden für die „Theorie“, die Mondlandung sei eigentlich im Studio und in Area 51 gedreht worden und habe nie stattgefunden.

Aber Aufnahmen, welche die hochauflösenden Kameras der Sonde „Lunar Reconaissance Orbiter“ von den Apollo-Landeplätzen machten, beweisen das Gegenteil. So ganz genau kannte man den Landeplatz von Apollo 11 bis dato gar nicht, da Neil Armstrong die letzten Landesekunden über manuell manövriert war. Auch war es zu Navigationsfehlern gekommen, da der – damals noch sehr bescheidene – Bordcomputer überlastet war und Sekunden vor der Landung Fehler „1202“ bzw. dann „1201“ ausgab.

© Bildrechte: NASA Goddard/Arizona State University, Public domain, bearb. v. Ekrim 13.07.2021

Landeplatz von Apollo 11, aufgenommen durch die Sonde Lunar Reconnaissance Orbiter aus der Mondumlaufbahn.

© Videorechte: Apollo 11 – Apollo Flight JournalYoutube-Terms 12.07.2021

Gute Dokumentation der letzten Viertelstunde der Landung der Apollo-11-Mondfähre.

© Videorechte: Astroshop.deYoutube-Terms 12.07.2021

Das Video zeigt, wie man den Landeplatz von Apollo 11 mit dem Teleskop findet.

© Rechte am Beitragsbild: Richard Kruse @Historic Spacecraft, licenced for non-commercial use  12.07.2021

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