Ersoffen im Sirup

© Bildrechte: Badagnani, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons, bearb. v. Ekrim 17.07.2021

Eines der schrägsten Unglücke der Menschheitsgeschichte ist wohl das sogenannte Melasse-Massaker von Boston, bei dem am 15. Januar 1919 insgesamt 21 Menschen in Sirup erstickten, 150 wurden verletzt.

Boston (Massachusetts) war damals Zentrum der Rum- und Alkohol-Produktion und wichtigste Zutat war Melasse, ein dunkler Zuckersirup, eigentlich ein mineralstoffreiches Neben- bzw. Abfallprodukt aus der Zuckerherstellung, von Ernährungsphysiologen heute als Zuckerersatz empfohlen. Dieser Sirup wurde in riesigen Vorratsbehältern gelagert.

Einer dieser Vorratstanks stand im North End (529 Commercial Street), im Italian Quarter, und gehörte der “United States Industrial Alcohol Company”. Mit 27 Metern Durchmesser, einer Höhe von 15 Metern und einem Fassungsvermögen von 9 Millionen Litern war er einer der grössten der Stadt. Am Vortag war der Tank bis zum Rand gefüllt worden – obwohl er für Mängel bekannt war. Um Lecks zu vertuschen, wurde er einfach braun angestrichen.

Am Vortag lagen die Temperaturen bei -14 C, über Nacht waren sie um fast 20 Grad angestiegen. Dem maroden Tank wurde der Druck nun zu hoch und um 12:30 Uhr platzten die Nieten raus, was sich laut Augenzeugen wie Maschinengewehrfeuer anhörte. Ein bis zu 9 Meter hoher Sirup-Tsunami ergoss sich mit 50km/h in die Strassen. Sirup ist zwar in kleinem Massstab eines Löffels zähflüssig, in grossen Mengen offensichtlich nicht.

© Videorechte: ingomar200  Youtube-Terms 14.06.2021

Hinzu kam, dass Teile des platzenden Tanks bis zu 200 Meter flogen und eine hier oberirdisch verlaufende U-Bahn-Strecke zerstörten. Mehrere Häuser wurde weggerissen und Menschen und Pferde, Hunde und Katzen und wahrscheinlich auch so manche Ratte oder Maus ertranken bzw. erstickten in der braunen Flut.

Gedenktafel an der Commercial Street

© Bildrechte: Ekrim 2014

Bei den Aufräumarbeiten machte man schließlich die Erfahrung, dass sich Melasse mit Süsswasser kaum entfernen lässt. Man versuchte es mit mehreren Millionen Litern Salzwasser aus dem Hafenbecken, was nach monatelangen Bemühungen auch zum Erfolg führte. Eine kleine Gedenktafel an der Mauer in der Commercial Street in Bostons Nordend erinnert an 1919 (links).

© Rechte am Beitragsbild: BPL, Public domain, via Wikimedia Commons 2014

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