Hessen gegen Green Mountain Boys

© Bildrechte: Ekrim 2014

„Berichtet späteren Generationen, dass hier ein Held begraben liegt“, wünschte sich Col. Seth Warner „bescheiden“ für seinen Grabstein in der Seth Warner Burial Site in Roxbury, Connecticut: Große Worte einer schillernden Gestalt aus dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg. Diesen Charakterzug Warners stellt der 103 Meter hohe und hier weithin sichtbare Obelisk noch in den Schatten, der 1891 in Bennington für ihn und General John Stark errichtet wurde (links).

Bei Bennington (Vermont) fand am 16. August 1777 eine – möglicherweise entscheidende – Schlacht zwischen Engländern (die sich hessischer und Braunschweiger Söldner bedienten) und den Rebellen unter General John Stark statt, auf deren Seite auch die „Green Mountain Boys“ kämpften. Warner war einer der Anführer der „GMBs“ und kam mit seiner Miliz gerade noch rechtzeitig, um der militärischen Konfrontation die Wende zu geben (Mel Gibsons „Der Patriot“ lässt grüssen).

Nach mehreren verlustreichen Niederlagen hatten die Aufständigen nun endlich auch einen kleinen, handfesten Sieg vorzuweisen, was die damals noch royalistischen Franzosen am Ende davon überzeugte, die „Bauernlümmel“- Rebellen nicht nur heimlich mit Waffen, sondern auch offen mit Batallionen zu unterstützen. Somit wird auf der Inschrift des Obelisken verkündet, hat Seth Warner entscheidend zur Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten beigetragen.

Im Vorfeld der Schlacht

Im August 1777 versuchte der britische General John Burgoyne von Norden mit seiner Hauptarmee von ca. 8.000 Soldaten durch das Hudson River-Tal südwärts nach Albany vorzudringen. Nach mehreren britischen Siegen in Hubbardton und Fort Ticonderoga war es Burgoyne’s Plan, die amerikanischen Kräfte in diesem Gebiet zu besiegen und dann von Albany aus weiter nach Süden zu ziehen, um die amerikanischen Kolonien in zwei Teile (links der Staat New York, rechts Vermont) zu spalten.

Doch es ist ein grosses und war ein wildes Land und Burgoyne hatte wohl die Entfernungen und Anstrengungen unterschätzt. Ein anderer amerikanischer General, Philip Schuyler, legte den englischen Truppen die sprichwörtlichen Steine in Form von gefällten Bäumen in den Weg, wodurch diese mit ihren schweren Kanonen kaum noch vorankamen. Den englischen Truppen wurde der Toast knapp, die Pferde machten schlapp und die Nachschublinien rissen ab.

In Bennington sollte es einen Stützpunkt der Amerikaner geben, der mit Vorräten gut ausgestattet war. Diesen wollte der General, der mittlerweile im Fort Miller saß, nun durch ein Expeditionskorps seines deutschen Oberstleutnants Friedrich Baum überfallen lassen. Die Rebellenarmee unter General John Stark hatte davon aber Wind bekommen und Baum auf halber Strecke davon wiederum auch.

Ein wertloser Teilsieg?

Auf einer Anhöhe nahe Bennington gruben sich die rund 550 „Engländer“ im Dauerregen ein, eigentlich waren es kaum Briten. 374 Hessen waren darunter (auch die Kanoniere der 3-6 Geschütze) sowie amerikanische Anhänger des englischen Königs, einige Kanadier und etwa 150 Indianer. Als der Regen nachliess, gab Stark das Signal zum Angriff und schlug zunächst Loyalisten, Kanadier und Indianer in die Flucht. Zurück blieben die Deutschen, denen das Pulver ausging. Dazu hatte wohl beigetragen, dass die Rebellen deren Munition in die Luft gejagt hatten. Als auch ein Ausbruchsversuch mit dem Säbel schiefging und Baum schwer verwundet wurde, ergaben sie sich.


© Bildrechte: The National Guard, Public domain, via Wikimedia Commons (links), National Archives at College Park, Public domain, via Wikimedia Commons (rechts) 19.07.2021

Historische Gemälde. Rechts: General Stark bei Bennington in Aktion.

Die Freude über diesen Sieg währte nur kurz, denn Burgoyne hatte unterdessen 642 Deutsche als Verstärkung (unter Oberstleutnant Heinrich von Breymann, ebenfalls ein Deutscher) geschickt, die sich plötzlich geordnet auf die noch feiernden und ihre Wunden versorgenden Milizionäre aus New Hampshire stürzten.

Die Sternstunde der Warner-Miliz

Nun folgte die Sternstunde von Seth Warner, der mit den „Green Mountain Boys“ passend als Verstärkung für die New Hampshire Milizen zur Stelle war. Zusammen wehrten die New-Hampshire- und die frischen Vermont-Milizen Breymanns Streitkraft ab und jagten sie in der Dämmerung in die Flucht.

So könnte man in diesem Fall resümieren: Deutsche Soldaten waren der schwierigste Gegner, den es auf dem Weg zur amerikanischen Unabhängigkeit zu überwinden galt. Sorry for that! Oder: Das wichtigste im Krieg ist die Feindaufklärung. Oder: Viele kleine Siege können einen grossen vorbereiten. Oder: Grösstes Talent eines Helden ist, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein.

© Rechte am Beitragsbild: Giacomo Barbaro, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, bearb. v. Ekrim 19.07.2021

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