I am dreaming of a White …

In der Nacht zu Heiligabend wälze ich mich mit Alpträumen. Irgendwie Satire, denke ich noch, Stille Nacht – heilige Nacht. Von wegen! Die Ereignisse der vergangenen Tage und Wochen ziehen vorbei. Attentat auf den Berliner Weihnachtsmarkt vor der Gedächtniskirche, Obertrampel Trump demnächst als neuer globaler Unfriedenstifter. Aleppo, das aussieht wie Berlin auf Fotos nach dem 2. Weltkrieg. Chinas Expansionsdrang im südchinesischen Meer. Putin, der Russland zur “Größe” der einstigen UdSSR zurückführen will und dabei lügend und manipulierend – wie beim KGB seinerzeit gelernt – über Leichen geht und nicht vor Kriegsverbrechen halt macht wie der Bombardierung von Krankenhäusern. Die Arktis schmilzt, der Meeresspiegel steigt, es ist 20 Grad wärmer am Nordpol als noch vor ein paar Jahren. Im Mittelmeer ertrinken regelmäßig tausende Menschen auf der Flucht. Und den Rechtsextremen sind das wahrscheinlich noch zu wenige. Europa zerfällt.

Im Traum verdichtet sich alles bedrohlich. Es ist düster und wir kauern uns irgendwo hin. Es ist gespenstisch und bedrückend. Wir haben Angst, dass sie uns erscheint. Sie: das ist die “Weiße Frau”.

Dazu muss man vielleicht wissen: Ich hatte keine Ahnung, wer die “Weiße Frau” ist. Zumindest bewusst nicht, vielleicht wusste ich’s mal und hab’s vergessen. Im Traum war’s klar, wenn sie erscheint, dann ist das sozusagen ultima irratio, schlimmer geht’s nimmer, Ende von lustig. Aus und vorbei, drohender Tod, ex und hopp, aber schön langsam. Daher Angst, und zwar von der lähmenden Sorte, denn Knoblauch oder Kruzifix wären lächerlich gegen so ein gestandenes Gespenst, da hilft nix und die Beine wollen auch nicht. Wir wissen, sie ist da irgendwo, könnte jeden Moment erscheinen, ich sehe sie aber nicht.

Also schrecke ich schwitzend hoch und befrage mitten in der Nacht Herrn Dr. Google nach der “Weißen Frau” und bekomme reichlich Fundstellen. Unheimlich ist es schon, welche Symbolik das Unbewusste im Traum gewählt hat. Eine Kindesmörderin des 16. Jahrhunderts spukt laut Sage seither als Todesbotin. Verschiedene Kaiser- und Königshäuser kennen ihre eigene “Weisse Frau”, sie taucht in vielen Burgen und Schlössern vom 16. bis 20. Jahrhundert auf und verbreitet Angst und Schrecken. Wer sie sah, musste meist kurze Zeit später sterben, zumindest jemand aus der Familie. So erschien sie 1713 Friedrich I. kurz vor dessen Tod, 1797 Friedrich Wilhelm II, 1840 Friedrich Wilhelm III und 1888 Friedrich III.

Um das Unheimliche etwas ins Humorvolle zu wenden: die “Weisse Frau” wurde auch einige Male festgenommen. Einmal war es der Küchenjunge, ein anderes Mal ein Soldat. Im Schloss Bayreuth jagte sie Napoleon 1812 vor dessen Russlandfeldzug einen gehörigen Schrecken ein. 1822 nach dem Tod des Schlosskastellans fand man in dessen Nachlass ein langes weißes Frauenkleid … Die ‘weiße Frau’ als Horrorclown für Adlige.

Hoffen wir mal, auf diese Weise wieder geerdet, dass die mächtigen Irren in Ost und West ihre apokalyptischen Reiter im Stall lassen und die ABC-Waffen auch. Dass wir einen angenehmen Rutsch nach 2017 erleben und nicht einen in den Straßengraben oder eine Autobahn-Massenkarambolage. Und hoffen wir mal, dass die Terror-Irren weniger werden, sich entweder mit sich selbst beschäftigen oder wenigstens nur selbst irgendwo abseits in die Luft sprengen, wenn sie es denn glauben tun zu müssen. Und meine ganz persönliche Hoffnung wäre eine weltweite Trendwende zu Frieden, Verständigung und Toleranz oder im kleinen: zu Rücksicht, Freundlichkeit und Solidarität.

© Rechte am Beitragsbild: Labeauce et Minne, Public domain, via Wikimedia Commons 29.07.2021

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