Wenn der Boden zu Pudding wird

Von der Nordinsel her war man es gewohnt, dass ab und zu die Erde bebt und sorgt beim Hausbau vor, soweit man kann. Die wenigsten aber rechneten mit Erdbeben auch auf der Südinsel, obwohl Neuseeland ja bekanntlich insgesamt in einer geologisch unruhigen Erdgegend liegt. Auf der Südinsel hatte es in den letzten 200 Jahren jedenfalls nicht gebebt. Am 4. September 2010 um 4:35 Uhr (Ortszeit) wurde Christchurch dann von einem Erdbeben der Stärke 7,1 MW heimgesucht. Mehrere Häuser wurden beschädigt, Menschenleben waren aber nicht zu beklagen. Das Epizentrum des Bebens, welches unter dem Namen “Darfield Earthquake” in die Annalen einging, lag nach Angaben der staatlichen Erdbebenwarte GeoNet rund 40 Kilometer westlich der Stadt nahe Darfield und dessen Hypozentrum in rund 10 Kilometern Tiefe.

Am 22. Februar 2011 ereignete sich um 12:51 Uhr (Ortszeit) erneut ein schweres Erdbeben, diesmal mit der Stärke 6,3 MW. Da das Epizentrum des Bebens nur 10 Kilometer südwestlich vom Stadtzentrum entfernt und das Hypozentrum in nur 5 Kilometern Tiefe lag, richtete es dieses Mal wesentlich größere Schäden an, die man heute noch sieht. Etliche Gebäude stürzten ein, wobei das Stadtzentrum am stärksten betroffen war. Nach offiziellen Angaben kamen 181 Menschen ums Leben. Allein beim Einsturz des regionalen Fernsehsenders Canterbury Television starben 115 Personen. Unter den erheblich beschädigten Gebäuden befanden sich auch viele denkmalgeschützte historische Bauten, wie zum Beispiel der Kirchturm der Christ Church Cathedral und Teile der “Cathedral of the Blessed Sacrament”.

Und tatsächlich ist die ehemals lebendige Innenstadt heute “red zone”, das heißt abgesperrt (siehe Beitragsbild). Von außen ist an den übrig gebliebenen Gebäuden oft nicht viel Schaden zu entdecken, doch sind bisweilen gerade die tragenden Wände im Innern betroffen. An anderer Stelle hat sich so etwas wie ein neues Zentrum gebildet, das in seiner Provisorität aber nicht mit dem alten Zentrum zu vergleichen ist, das romantisch am Avon-River lag.

Noch immer sind die Abrissarbeiten im vollen Gange. Überall sind in den Häuserreihen Lücken zu sehen und an den Universitätsgebäuden sieht man, dass Verzierungen und Wandvorsprünge aus dem ortsüblichen weißen Sandstein hier und da abgebrochen sind. Neuseeland hatte seine besten Zeiten bis Mitte der 70er Jahre, seitdem wurde privatisiert und sich verschuldet wie in vielen anderen Ländern auch. Daher ist unklar, ob die Mittel für einen vollständigen Wiederaufbau bereitgestellt werden können.

“950 Beben in 500 Tagen”, titelt die Lokalzeitung heute rückblickend und man spricht davon, dass erst gestern abend um 20:30 Uhr ein kurzes Ruckeln zu spüren gewesen sein soll. Ich habe davon nichts gemerkt und zu dieser Zeit in aller Seelenruhe im Hotel-Restaurant ein T-Bone verzehrt.

© Rechte am Beitragsbild: Ekrim 2012

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