Wahnsinn: Papst appelliert an Vernunft!

Wer hätte gedacht, dass uns ausgerechnet ein Papst, religiöses Oberhaupt und somit der Metaphysik verpflichtet, auf einmal wie eine Ikone der Aufklärung vorkommen würde!

In einer sich schnell ändernden Welt verschieben sich politische und weltanschauliche Hintergründe. Vor ver-rücktem Hintergrund wirkt jemand dann mitunter überraschend wie eine Gallionsfigur für etwas, das man mit ihm bzw. seiner Rolle bisher nicht in Verbindung gebracht hatte – im Gegenteil.

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Moderne Zeiten: Der Tramp findet eine rote Fahne, die von einem LKW heruntergefallen ist. Da nähert sich auch schon zufällig ein Demonstrationszug von hinten … wenig später wird er als Rädelsführer festgenommen.

Ähnlich wie sich Charly Chaplin als der (unpolitische) Tramp in seinem genialen Film „Moderne Zeiten“ auf einmal unversehends an der Spitze eines Demon­strations­zuges wiederfindet, so lässt eine sich wandelnde Welt Franziskus I. plötzlich ganz vorn als vernunft­orientierten Trump-Kritiker und Wissen­schafts­ver­fech­ter erscheinen. Vor post­faktischem Hinter­grund wirkt selbst der katholische Oberguru, der eben noch mit Selig­sprechungen beschäftigt war, wie eine Ausgeburt nüchternen Realitäts­sinnes, geradezu eine Art kirch­licher Wittgenstein [1].

Ohne den US-Obertrampel beim Namen zu nennen, wandte sich Franziskus während eines Rückflugs von Kolumbien frontal gegen die Haltung des US-Präsidenten Donald J. Trump, wie schon bei dessen Mauerplänen. Klimaleugner seien „dumm“, sagte Franziskus den mitreisenden Journalisten, und bezog sich auf die Hurrikan-Serie in der Karibik. Und nicht etwa auf die deutsche AfD … Wer nicht an den Klimawandel glaube, solle sich an Wissenschaftler wenden, deren Erkenntnisse seien „sehr klar, sehr präzise“. „Das sind keine aus der Luft gegriffenen Meinungen“, sagte Franziskus. Die Geschichte werde über die Entscheidungen der Verantwortlichen „richten“ [2]. „Höret zu, Ihr tolles Volk, das keinen Verstand hat, die da Augen haben, und nicht sehen, Ohren haben und hören nicht!“ (Jeremia 5:21)

Tatsächlich sind die Indizien für die Verantwortung des Menschen an der aktuellen Erderwärmung erdrückend und würden vor Gericht zwangsläufig zur Verurteilung führen. Das kann jeder heute bei Wikipedia nachlesen. Wer den Klimawandel nicht sehen will, kann ihn sich ja wenigstens einmal anhören. „Wer Ohren hat, zu hören, der höre!“ (Matthaeus 11:15)

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Aber dass ausgerechnet der Papst auf Fakten setzt, überrascht denn doch. Ist nicht Gott allein der Richter? Nein: Spätere Menschengenerationen werden Richter über die Heutigen sein? Geschieht etwa doch kein Wunder, über die in der katholischen Kirchengeschichte doch ach so häufig berichtet wird, und Umweltvernichtung sowie Klimakrise verschwänden über Nacht wie ein schlechter Menschheitstraum? Wir Menschenkinder reiben uns – ermahnt ausgerechnet vom Papst – verwundert die Augen: Müssen wir wirklich erwachsen werden? Sind wir etwa selbst verantwortlich für die Probleme unserer Gegenwart und Zukunft und nicht (praktischerweise) eine höhere Instanz wie Gott?

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Tochter Ivanka, Melania, Trump, im Mai 2017 gestylt beim Papst. Ein PR-Event für Trump – der Papst bewirkte keine Einsicht, was man seiner Miene und Körperhaltung ablesen kann.

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Fußnoten

[1] Ludwig Wittgenstein: Tractatus logicus-philosophicus

[2] n-tv.de: Papst schimpft auf Klimawandel-Leugner

Beitragsbild: Korea.net / Korean Culture and Information Service (Jeon Han), CC BY-SA 2.0 , via Wikimedia Commons, bearb. (Ausschnitt) v. Mirke, 11.08.2021.

3211.1   Loser Blueser  Youtube-Terms, 25.02.2023.  

3211.2   Institute on the Environment, University of Minnesota  Youtube-Terms, 11.08.2021.  

3211.3   Vatican Pool – Corbis @Getty Images, 29.08.2021.  

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