Kunstvoller Bahnhof (fast) ohne Bahn

Nachdem in den 90er Jahren die wirtschaftliche Blüte Neuseelands erst einmal vorüber war, wurde die bis dahin staatliche Bahn aus Spargründen privatisiert. Wie in vielen anderen Ländern erhoffte sich der Staat einerseits Einnahmen aus dem Geschäft; andererseits, dass schon alles so weiter funktionieren würde wie bisher. Leider hatten die privaten Eigentümer dann doch wenig Interesse an volkswirtschaftlich sinnvollen Investitionen und die Infrastruktur verfiel immer mehr. Ab 2003 begann ein schrittweiser Rückkauf durch den Staat, der Mitte 2008 abgeschlossen war. Der neuseeländische Finanzminister Michael Cullen erklärte damals: “Der Verkauf der staatlichen Bahn zu Beginn der 90er Jahre und der danach folgende Niedergang des Vermögens war eine schmerzliche Lektion für Neuseeland”.

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© Bildrechte: Ekrim 2012

Vom Glanz der neuseeländischen Bahn (zum Zeitpunkt seiner größten Ausdehnung in den 1950er Jahren hatte das Streckennetz der neuseeländischen Eisenbahnen über 100 betriebene Linien) war mittlerweile wenig übrig. Viele Strecken waren stillgelegt oder werden heute nur noch für den Gütertransport genutzt. Und es drohen weitere Steckenstillegungen, sofern nicht wie im Falle von Kavakava ein Bahnverkehr im historischen Stil für Touristen wieder aufgenommen wird. Heute gibt es nur noch vier ernsthafte Bahnverbindungen für Güter und Menschen:

1. Der “Overlander” zwischen Auckland und Wellington
2. Der “Capital Connection” zwischen Wellington und Palmerston North
3. Der “Coastal Pacific” zwischen Picton und Christchurch, täglich.
4. Der “TranzAlpine” zwischen Christchurch und Greymouth. Tägliche Verbindung, nördlich von Greymouth vor allem zum Transport von Kohle.

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© Bildrechte (alle drei): Ekrim 2012

Seit 2002 ist der Bahnhof von Dunedin somit fast ohne Funktion, denn damals wurde der Personenverkehr auf der “Southerner”-Linie zwischen Christchurch, Dunedin und Invercargill eingestellt. Heute werden dort nur noch Güter befördert. Der 1906 im flämischen Stil erbaute Bahnhof ist trotzdem wahrscheinlich das am meisten fotografierte historische Gebäude Neuseelands (neben der alten Universität) und ein Wahrzeichen Dunedins.

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© Bildrechte: Ekrim 2012

Einen Teilabschnitt des alten “Otago Central Railway” bis Middlemarch nutzt heute der Taieri Gorge Railway als touristische Attraktion, der die Schlucht des Taieri River mit zahlreichen Tunneln und Viadukten durchläuft. Leider blieb keine Zeit, um mal mitzufahren.

Aber ich konnte mich ausführlich am Gebäude erfreuen, das im Neo-Renaissancestil gehalten ist und Jugendstil-Elemente enthält wie die Türgriffe aus massivem Messing. Das Gebäude selbst wurde aus dunklem Basalt und hellem Kalkstein aus Oamarua errichtet. Im Fußboden der Schalterhalle und in den Gängen wurden mehr als 725.000 Porzellan-Fliesen verbaut und zeigen Bilder von Eisenbahnfahrzeugen, Rädern, Signalen, Lokomotiven und die großen Buchstaben NZR für New Zealand Railways. Der Hauptbahnsteig ist mit rund einem Kilometer Länge übrigens der längste des Landes.

© Rechte am Beitragsbild: Ekrim 2012

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