Goldrausch in Skipper’s Canyon

Durch den malerischen Canyon führt die Skipper’s Road, eine schmale, nicht befestigte Straße an Abgründen entlang, mit Sicht auf den Shotover River (Beitragsbild) und über extreme Brücken nach Skipper’s Point: im 19. Jahrhundert eine Goldgräbersiedlung, heute ein Campingplatz mit Plumpsklo und zwei kleinen Ausstellungsgebäuden.

Canyon und Skipper’s Point erhielten ihren Namen nach dem “Schiffer” Malcolm Duncan, der 1862 beim heutigen Skipper’s Point Gold fand. Der Ire hatte einige Jahre auf amerikanischen Schiffen angeheuert und dabei den Spitznamen ‘Skipper’ bekommen.

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Die Skipper’s Bridge von 1901 führt etwa 100 Meter hoch über den reißenden Shotover-River.

Die historische Schotterpiste wurde während der Hochphase des Otago-Goldrauschs 1883-1890 gebaut und ist heute für den öffentlichen Verkehr gesperrt. Nur zwei Touristik-Unternehmen oder die wenigen zurückgezogen lebenden Anwohner haben die Genehmigung, mit dem Auto durch die grandiose Landschaft zu fahren. Vielleicht ist das aus Sicherheitsgründen auch gut so, denn Leitplanken o. ä. gibt es nicht und die historische Begrenzungs-Trockenmauer, die es früher gab, ist heute an den meisten Stellen weggebrochen bzw. wurde im Laufe der Jahrzehnte einfach zur Ausbesserung der Straße verwendet.

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Links: Hier am Pinscher’s Bluff wurde die Straße per Hand aus dem Fels gehauen. Rechts: “Extremparkplatz” am Abgrund.

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Für einen kritischen Abschnitt (Pinscher’s Bluff) wurden damals eigens norwegische Steinmetze eingestellt, die sich am Felsen abseilten, um die Straße aus dem Fels zu hauen (oben, linkes Bild). Denn das 1867 als “Nobel’s Sicherheits-Sprengpulver” patentierte Dynamit kam gerade erst in Mode und der weiche Schiefer eignete sich wohl nicht für eine explosive Behandlung. Übrigens war 1872 für eine kurze Zeit sogar eine Bahnlinie von Queenstown nach Skipper’s Point in Planung, wo damals immerhin noch ca. 200 Menschen lebten. Der Ort hatte sogar sechs Hotels, wovon heute noch nicht einmal mehr Ruinen zu sehen sind.

Als die “Skipper’s Road” 1890 schließlich fertig war, war sie als Transportweg zur Versorgung der “Goldminer” im Grunde auch schon überflüssig, die bis dahin auf mühsamen Trampelpfaden alles 20 bis 30 Kilometer durchs Gebirge befördern mussten. Wie gut, dass die Neuseeländer schon damals Vorreiter eines revolutionär neuen Dienstleistungsgewerbes waren: des Tourismus. “Tägliche Abfahrten verlassen Queenstown um 8 Uhr morgens und kehren um 6 Uhr abends zurück. Sie reisen mit der Pferdekutsche, jede Kutsche offeriert Platz für 10 Passagiere, Holzsitze, die jedoch eine uneingeschränkte Sicht sichern. Die Gebühr beträgt 19 Schilling und beeinhaltet Rückfahrt, Kaffee und Kuchen, kleines Mittagessen.” Heute absolviert man das volle Programm in drei Stunden – da geht alles ruckzuck, unser Führer mahnt zur Eile.

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Schon kurze Zeit nach der neuseeländischen Staatsgründung fanden 1842 Walfänger geringe Mengen Gold auf der Coromandel-Halbinsel und in der Gegend um Nelson herum sichteten schottische Siedler die ersten Nuggets. Bereits 1852 gab es einen ersten dreimonatigen Goldrausch auf der Coromandel-Halbinsel. 1855 folgten Funde in Onekaka. In der Otago-Region startete der Goldrausch 1861, als der berühmte australische Abenteurer und Goldsucher Thomas Gabriel Read in Dunedin eintraf. Er horchte die Leute aus, zog durchs Land und hatte schließlich am Tuapeka River Erfolg, wo er innerhalb weniger Stunden drei Kilogramm Gold sammelte. Drei Kilogramm schwer war übrigens der weltweit größte, jemals gesichtete Nugget. Gefunden hat ihn um 1900 ein Glückspilz in Ross an der Westküste, wo bis vor fünf Jahren noch eine Goldmine betrieben wurde. Leider wurde der Nugget eingeschmolzen – man würde ihn sonst sicher gerne besichtigen, er hätte über die Jahrzehnte vermutlich ein Vielfaches an Eintrittsgeldern eingespielt.

Insofern war der Boden bereitet, als im November 1862 Thomas Arthur und Harry Redfern im Gebiet des heutigen Arthur’s Point innerhalb von 3 Stunden etwa 113 Gramm Gold fanden und darüber gerne erzählten. Im Nu wurde aus der ruhigen Rees’ Station die Stadt Queenstown mit 10.000 Einwohnern und die Golddigger wühlten den gesamten Shotover River nach dem Edelmetall um. Noch heute sieht man die Spuren der Verwüstung sehr gut am Maori-Point.

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Die Terrassen am Maori-Point entstanden durch das “sluicing”, eine Methode zum Auswaschen von Oberflächen-Gold aus dem Flusssand und -geröll.

F.W. Graddock beschreibt in seinem Buch “Golden Canyon” viele Details aus dem harten Leben der Goldsucher. Am Maori-Point (Bild oben) kann man die Narben noch sehen, die sie in der Natur des Canyons hinterlassen haben. Fast nichts mehr übrig ist von der Stadt Charlestown am Maori-Point: Hier gab es Hotels, Metzger, Bäcker, eine Post, eine Bank, eine Polizeistation und einen ortsansässigen Magistrat (Friedensrichter). Mehr als in so manchem Ort im heutigen Brandenburg oder Mecklenburg-Vorpommern … Die Stadt erlebte einen kurzen Boom mit bis zu 1.000 Einwohnern. Schon 1864 war der leichter zugängliche Teil des Goldes abgebaut und die Einwohnerzahl fiel auf 400. Heute erinnern hier nur Steine eines umgestürzten Kamins, eine kleine Gedenktafel und eine Informationstafel an die Goldgräberstadt.

In Neuseeland wird heute übrigens durchaus noch bzw. wieder – dank der gestiegenen Goldpreise – Gold gefördert. Die australische “Oceana Gold Corporation” betreibt die “Macrae’s Gold Mine” 55 km nördlich von Dunedin. Seit 1990 wurden hier mehr als zwei Millionen Unzen des Edelmetalls abgebaut und mindestens weitere vier Millionen Unzen werden für die kommenden Jahre vermutet.

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