Massentod im Canyon

Am malerischen Shotover-River, als Wolfgang flache Steine über den Fluss springen lässt, sehe ich eine kleine rote Hütte mit verrostetem Wellblechdach. Ich frage halb im Scherz, wer da denn wohnt. Allzu oft habe ich am Straßenrand kleine “Butzen” gesehen, für deutsche Vorstellungen eher Gartenlauben, welche aber ein durchaus teures Eigenheim für eine ganze Familie sind.

Ja, erzählt Wolfgang, da wohnten mal drei bewaffnete Männer. Deren Job war das “Culling” (=Killing, Schlachten). Sie töteten im Auftrag des Departments of Conservation (DOC) verwilderte Ziegen. Wann immer und wo immer ihnen ein Tier vor die Flinte kam, war es ihr Job, draufzuhalten. Die Kadaver ließen sie einfach liegen, was sollte man auch damit. Nach zwei Jahren kamen ihnen immer seltener Opfer vors Gewehr, da war ihr Job getan.

Ziegen sind keine Ureinwohner Neuseelands, sondern wurden von Siedlern eingeschleppt. Außerdem sind sie der Schafzucht im Wege und fressen einheimische Gehölze in deren Anfangsjahren. Dieser argumentativen Allianz von Naturschützern und Bauern hatten die zähen und genügsamen Tiere nichts entgegenzusetzen. Ein weiteres Kapitel zur Story Vom Unkraut zum Unbaum – sozusagen “Vom Unkraut zum Untier”, Tiere am falschen Platz.

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Bild: Sodium fluoroacetate (Kurzname “1080”) wirkt vor allem gegen Säugetiere, selbst wenn diese (wie Hauskatzen) andere vergiftete Säugetiere essen. Das Mittel vernichtet auch Insekten, ist in vielen Ländern verboten und gefährlich für Mensch und Haustier. “DOC are killers!” hat jemand auf das Schild geschrieben.
© Bildrechte: Ekrim 2012

Das DOC ist auch beim großflächigen Ausbringen von Gift nicht zimperlich, das Säugetieren den Tod bringt (und das auch auf Menschen, z. B. spielende Kinder tödlich wirken kann) – siehe Foto. Auch Insekten dezimiert man damit kollateral. Man hat dabei vor allem die niedlichen Possums und auch die Wiesel im Visier, welche leider der heimischen Tierwelt fast schon den Garaus gemacht haben. Gegen die flinken Jäger können sich flugunfähige Vogelarten wie Kiwi oder Takahe, aber auch viele der fliegenden Vogelarten, nicht wehren. An mehreren Stellen im Land wurden für diese Arten mühsam geschützte Reservate eingerichtet. Kiwis wurden auf einigen vorgelagerten Inseln ausgesetzt. Unsere Führerin im Abel Tasman Nationalpark erzählte aber, dass Possums durchaus weitere Strecken schwimmen können.

Niedliche Possums: Hassobjekte für Neuseeländer
© Bildrechte: Found on Flickr, by wollombi, Lizenz CC 2.0 via Wikicommons 2012, bearb. v. Ekrim 13.6.2021

So befindet sich das DOC sicherlich in einem ethischen Dilemma und muss zwischen der Ausrottung einheimischer Tierarten bei Nichtstun oder dem möglichen Überleben einheimischer Tiere bei Ausrottung eingeschleppter Tierarten abwägen. Problem ist nur, dass sich die eingeschleppten Tiere wie das Possum selbst mit der größten Brutalität nicht ganz vernichten lassen.

Siehe auch Vom Unkraut zum Unbaum

© Rechte am Beitragsbild: Ekrim 2012

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