Auswandern

Mitten in der “Pampa” zwischen Nelson und Picton machen wir an einem kleinen Café halt. Die Bedienung, ca. 40 Jahre alt und wettergegerbt, stammt aus Meissen und lebt seit 5 Jahren in Neuseeland. Ob sich die Auswanderung gelohnt hat? Ein klares “Ja” bekomme ich nicht zu hören. Das komme auf die Ansprüche an, die man mitbringe. Es sei nicht so leicht, einen Job zu finden und darin mehrere Jahre zu bleiben wie in Deutschland. Das sei hier absolut unüblich. Auch dass man viele Jahre oder gar Jahrzehnte lang den gleichen Beruf ausübe, das gebe es hier kaum. Die Löhne lägen durchschnittlich auch deutlich niedriger als in Deutschland und (nur) 14 Tage Urlaub im Jahr sind normal.

Neuseeland gilt – wie Kanada, Paraguay oder Australien – als klassisches Einwanderungsland. Die ersten deutschen Siedler gingen schon 1843 (3 Jahre nach Staatsgründung) im Hafen von Nelson von Bord der “St. Pauli”. Noch heute trifft man hier Familien, die auf ihre deutschen Wurzeln stolz sind.

Aus berufenem Munde erfahre ich, dass pro Jahr etwa 3.000 Deutsche nach Neuseeland auswandern – aber 1.500 kehren pro Jahr auch wieder nach Deutschland zurück! Hauptauswanderungsgrund ist für Deutsche laut Bundesamt für Statistik die berufliche Situation – doch auch am anderen Ende der Welt wachsen die Bäume nicht in den Himmel. Wie überall holt einen – selbst vor malerischer Landschaftskulisse – schnell der Alltag ein. Selbst eine romantische “Bay Villa” (Beitragsbild) kann ihre Nachteile haben (klein, schlecht isoliert, Holz). Enttäuschte Illusionen mögen daher bei allem Positiven, das das Land zu bieten hat, ein Hauptgrund zur Rückkehr sein. Darüber hinaus merkt man schnell, dass auch “gute Englischkenntnisse” für eine komplette Integration längst nicht ausreichen. Eine Überprüfung der eigenen Fähigkeiten ist in jedem Fall zuerst anzuraten, z. B. mit dem international anerkannten IELTS-Sprachtest, dessen positives Ergebnis gleich dem Einwanderungsantrag beigefügt werden kann.

Die Einwanderung läuft nach einem Punkteverfahren. Der Antragsteller erhält Punkte für verschiedene Faktoren wie Ausbildung, Berufserfahrung, Alter uvm. Die notwendige Mindestpunktzahl, um “permanent resident” zu werden, wird jährlich neu festgelegt. Das maximale Alter für Einwanderer liegt derzeit übrigens bei 45 Jahren. Außerdem ist ein Kapitalnachweis (ab 100.000 NZ$) erforderlich.

Ein Arbeitsaufenthalt bis zu einem Jahr ist im Rahmen von Ferien für junge Deutsche möglich. Dazu muss man nur ein entsprechendes Visum beantragen (working holiday permit) und kann loslegen; eine spezielle Arbeitserlaubnis ist nicht nötig. Man erhält so einen guten, realistischen Eindruck von Land und Leuten und kann vor allem die Sprachkenntnisse vertiefen.

Wenn man in einem Bereich Fähigkeiten mitbringt, die von neuseeländischen Arbeitgebern gesucht sind, ist es evtl. möglich, eine befristete Arbeitserlaubnis zu bekommen. Ohne Job-Offer ist eine “residence permit” nur schwer zu erhalten.

Am besten wäre es, man bringt das nötige “Kleingeld” in Form von einigen Millionen mit und hat die Absicht, die Ärmel hochzukrempeln und in Neuseeland ein Unternehmen zu gründen und Arbeitsplätze zu schaffen. Solche Bewerber der “Entrepreneur Category” haben es beim Einwandern am leichtesten. Als reiner Investor hat man es schon nicht mehr ganz so einfach, deren Zahl ist derzeit auf 1.000 pro Jahr begrenzt.

© Rechte am Beitragsbild: Ekrim 2012

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