Maori aßen den Moa auf

Es muss ein schöner Anblick gewesen sein, als die ersten Maori, die Ureinwohner Neuseelands, auf der Nordinsel landeten. Verzierte Langboote mit Auslegern oder zu einem Katamaran zusammen montierte Langboote mit Strohhütte für die Vorräte, segeln auf kristallklarer, türkisfarbener See, landen an einer urtümlichen Küste, wo es Bäume und Pflanzen gibt, die sich seit Millionen von Jahren nicht verändert haben. Aber es war ja noch kein Mensch da, der das Landemanöver hätte beobachten können.

Säugetiere gab es nicht und daher haben sich viele Vogelarten auf ein bequemeres Leben am Boden eingerichtet, so wie das heute vom Aussterben bedrohte Wappentier Neuseelands, der Kiwi. Die ersten Maori waren Polynesier auf der Suche nach Land, ich fühle mich an den Film “Waterworld” mit dem geschätzten Kevin Kostner erinnert. Sie waren es, die die ersten Säugetiere mitbrachten wie Ratte, Maus, Katze, Schwein.


Trockengestell für Fisch

Damit war das Schicksal der einheimischen Vogelwelt im Grunde schon besiegelt, denn der mehr als straußengroße Moa (Beitragsbild: Die Montage bietet einen ungefähren Eindruck vom ausgestorbenen Vogel) hatte den steinzeitlichen Waffen der Maori nichts entgegenzusetzen und das Prinzip der nachhaltigen Land- und Forstwirtschaft hatte unter den Jägern und Sammlern dieser Zeit noch keine Anhänger. Man nahm, was man kriegen konnte und davon nur das beste. Der Vogel war schon vor der Ankunft des ersten weißen Entdeckers Abel Tasman, 1642 gänzlich in die Maori-Mägen gewandert. Vermutlich war so ein frisch gegrillter Moa-Schenkel von der Größe einer Fred-Feuerstein-Keule recht schmackhaft und leichter verdaulich als Monate alter Trockenfisch. Und es war auch mehr dran als an so einer Pazifikratte, die von den ersten Siedlern als Haustier mitgeführt wurde.

Aber auch Katz’ und Ratt’ fühlten sich sofort wie im Schlaraffenland, denn die wehrlosen bodenbrütenden Vogelarten boten mit ihren Eiern und Jungvögeln reichlich Beute.

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Maori-Versammlungshaus in Whakarewa.

Wann die ersten Maori nach Neuseeland kamen und woher genau, weiß man nicht sicher. Vermutlich aufgrund einer C14-Fehldatierung von Rattenknochen (welche ja erst durch die Polynesier eingeschleppt wurden) glaubten einige Forscher, darunter auch viele Maori der Gegenwart, die ersten Besiedlungen hätten schon vor 2000 Jahren stattgefunden.

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Verzierungen an einem Maori-Versammlungshaus, Museum “Te Papa” (Wellington).

Neueren Forschungen zufolge kamen die ersten Maori erst im 13. Jahrhundert nach Neuseeland ( Klimakrise führte nach Neuseeland). Die Inseln gelten als die letzten Erdgegenden, die von Menschen neu besiedelt wurden.

Heute sprechen 4% der Neuseeländer Maori und 10% verstehen sich als dieser Volksgruppe zugehörig (Quelle: Museum “Te Papa”, Wellington). Die soziale Lage erscheint schwieriger als die der Weißen. Beispiele: 50% der Gefängnisinsassen sind Maori. Die Lebenserwartung von Maoris ist durchschnittlich 10 Jahre niedriger, auch der Bildungsgrad ist durchschnittlich geringer. Man findet die Nachfahren des stolzen Kriegervolkes heute vor allem in den strukturschwachen Gebieten.

Dennoch: Von einem Aussterben des Maori-Volkes kann heute keine Rede mehr sein. Angehörige dieser Volksgruppe haben mehr Kinder als die Weißen. Sprache, Tänze, Kunsthandwerk konnten kurz vor dem Verschwinden doch noch erhalten werden. Maori-Schüler und -Studenten werden gefördert, indem sie von Studiengebühren befreit sind. Die Maori-Kultur ist heute fester Bestandteil neuseeländischer Kultur geworden. Davon zeugen nicht nur viele geographische Bezeichnungen, sondern auch der Haka-Kriegstanz ( Haka in Waitangi), den die neuseeländischen Rugbyspieler (all stars) gemeinsam vor jedem Spiel aufführen – ob nun Maori oder nicht.


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