Schwimmende Steine

Am Ufer des gut 600 Quadratkilometer großen Taupo-Sees liegen viele weiße Steine, “Kiesel” denkt man unwillkürlich. Erst wenn man einen von ihnen in die Hand nimmt, wird klar: etwas ist anders. Die Steine haben fast kein Gewicht, es ist “erstarrter Lavaschaum”, Bimsstein. Wirft man einen in den See, schwimmt er. Die weißen Steine am Ufer sind Strandgut wie Äste und Holzstückchen, die herumliegen.

Bimsstein entsteht aus Magma, das Gase enthält (Wasserdampf, Chlor, Schwefelwasserstoff). Bei einer Vulkaneruption steigt das Magma an die Oberfläche, hierbei nimmt der Druck ab, das Magma wird wie ein Hefeteig aufgeschäumt – das Gas entweicht nicht, bevor die Lava erkaltet. Es gibt verschiedene Bimssteinarten: Basalt, Andesit, Dacit, Rhyolit. Bimssteine werden bekanntermaßen gerne im Bereich der Körperpflege genutzt – ein handlicher Stein kostet online etwa zwei bis fünf Euro.

Auch im Bau werden die Steine als Füllung, zur Herstellung von Hohlblocksteinen, Dämm-Material uvm. verwendet. Schon die Römer nutzten Bimsstein und Tuff als Zuschlagsstoffe für ihren Beton, z.B. beim Bau des Pantheons in Rom (Auge aus Beton“).

In Europa gibt’s Bimsstein im Gebiet der italienischen Vulkane Ätna, Vesuv und Stromboli. In Deutschland wird Bimsstein am Laacher See und im Neuwieder Becken mühsam abgebaut. Hier, am Tauposee müsste man ihn nur aufsammeln, aber es scheint sich niemand weiter dafür zu interessieren. Also los, eine Geschäftsidee …

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Am Horizont der Taupo-See, Blick von Süden.

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Strandgut am Taupo-See.

Der Taupo-See ist eigentlich die Caldera eines Supervulkans, der zuletzt 181 n. Chr. ausbrach – dies gilt als die mächtigste Vulkaneruption der menschlichen Neuzeit, der vergangenen 5.000 Jahre. Damals wurden ca. 55 Kubikkilometer Asche ausgestoßen und ganz Neuseeland mit einer mindestens ein Zentimeter dicken Schicht bedeckt. Römische und chinesische Zeitgenossen berichteten von außergewöhnlich roten Sonnenuntergängen in dieser Zeit – eine Folge von Staub in der oberen Atmosphäre, der das Licht stärker bricht als gewöhnlich.

Heute wird der See ständig überwacht. Gemessen werden laufend Veränderungen am Grund des Sees, des Wasserstands und an der Zusammensetzung des Wassers. Die Magmakammer liegt nur 6-8 Kilometer unterhalb des Sees – üblicherweise ist die Erdkruste etwa 35 Kilometer dick. Es wird damit gerechnet, dass sich irgendwann wieder eine Magmablase bildet.

Die Entstehung des Sees geht auf die Zeit vor 300.000 Jahren zurück. Eine der gewaltigsten Eruptionen fand vor 26.500 Jahren statt. Bei dieser, “Oruanui-Explosion” genannten Eruption wurden etwa 1.170 Kubikkilometer ausgestoßen, was mehr als das Hundertfache dessen ist, was der Pinatubo 1991 herausgeschleudert hat. Seit der Oruanui-Explosion ist der Taupo 28-mal ausgebrochen.

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