Kunstvoll pinkeln

Pinkelpause in Kawakawa, einem leicht heruntergekommen wirkenden kleinen Ort, der seine wirtschaftlich besten Zeiten hinter sich hat. Grund für den Stopp: Die „Kawakawa Public Toilet“ in der Gillies Street wurde von Friedensreich Hundertwasser gestaltet (Beitragsbild).

Hundertwasser kennt man eigentlich als österreichischen Künstler, er ist in Wien geboren. Die wenigsten wissen, dass er sich 1974 in Kaurinui in der Nähe von Kawakawa eine Farm kaufte und nach seinem Tode am 19. Februar 2000 auf dem Kreuzfahrtschiff Queen Elizabeth II. auch hier auf seinem Anwesen unter einem Tulpenbaum beerdigen ließ. Das Grab ist für Besucher nicht zugänglich.


© Bildrechte: Ekrim 2012

Bezüge zu Neuseeland findet man in der Biographie des Künstlers viele. 1973 reiste er das erste Mal nach Neuseeland anlässlich einer Museums-Wanderausstellung, organisiert von Hertha Dabbert, die in Auckland, New Plymouth, Wellington, Palmerston, Christchurch und Dunedin gezeigt wurde. Mit seinem Boot „Regentag“ überquerte er 1975 den Atlantik, segelte über die Karibik und den Panama-Kanal in den Pazifik und weiter über Tahiti und Rorotonga nach Neuseeland. Nach zwei Unfällen verbrachte er zwei Monate im Kawakawa-Hospital und lernte den Ort so gezwungenermaßen kennen.

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Gemälde an der Wand des Hundertwasser-Souvenirshops gegenüber der Toilette.

Ab 1981 kam er immer wieder nach Neuseeland (mit Vorliebe, wenn auf der Nordhalbkugel Winter war), gründete 1983 in Kawakawa u.a. das Komitee zum Erhalt des alten Postgebäudes. Er entwarf u.a. eine neue Fahne für Neuseeland, die das Koru (entrollendes Farnblatt) symbolisch aufnahm. Die Reaktionen der Öffentlichkeit und des Parlaments waren positiv: 1.000 grüne Koru-Fahnen wehten 1985 in Neuseeland. Zur offiziellen Flagge wurde die Koru-Fahne aber nie (Auskunft des neuseeländischen Kulturministeriums).

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© Bildrechte (6 Fotos): Ekrim 2012

1999 kam es zur Mitarbeit an der Umgestaltung der Kawakawa Public Toilet, um die ihn Einwohner der kleinen Stadt gebeten hatten. Die Toilette ist das einzige Hundertwasser-Gebäude auf der Südhalbkugel und war vor seinem Tode das letzte größere Projekt. In Abstimmung mit Studenten des „Bay of Islands Colleges“ wurden keramische Fliesen angefertigt. Die Ziegelsteine stammten von einem abgerissenen Gebäude der „Bank of New Zealand“. Freiwillige aus dem Ort halfen beim Bau mit. Das Klo wurde schließlich in einer feierlichen Zeremonie zum Sonnenaufgang eingeweiht. Der eher publikumsscheue Künstler hielt sich dabei im Hintergrund und ließ seine Worte vortragen: „Es ist nur eine Toilette, aber sie zeigt, dass auch alltägliche Dinge Schönheit ins Leben bringen können“.

© Rechte am Beitragsbild: Ekrim 2012

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