Raketen aus Peenemünde II: HVA und Mittelwerk


Kopf eines A4-Raketentriebwerks mit Einspritzdüsen im Museum Peenemünde.

Wäh­rend der Bau­zeit der Heeres­versuchs­anstalt (HVA) 1936/37 wurde als Raketen­start­platz für die in Kummers­dorf weiter­ent­wickel­ten Aggre­gate (A3) vor­über­gehend die kleine Insel “Greifs­walder Oie” zwischen Peene­münde und Rügen genutzt. Vor allem die Trieb­werks­leistung war durch Modi­fika­tionen an Düsen, Ver­gasungs­prinzip und dem Brenn­raum inzwischen ent­scheidend ver­lässlicher und effizienter geworden. Während die national­sozia­lis­tische Diktatur immer fester im Sattel saß, immer mehr Kon­zentrations­lager mit poli­tischen Ge­fangenen ge­füllt wurden [1], beschreibt Dorn­berger sein Leben auf Oie als recht beschaulich: Man genoss die Natur, ging auf Fa­sanen- und Kanin­chen­jagd und feierte abends im “Insel­hof” des Pächters [2]. Der ent­scheidende Moment war dann die Er­probung des neuen Aggregat 3. Bei vier [3] ent­täuschen­den Starts des 6,50 Meter langen A3 mit einem Durch­messer von 70 Zenti­metern [4] zeig­ten sich schließ­lich Mängel an der Kreisel­steuerung, welche zu schwach ausgelegt war und bereits bei leich­ten Ein­flüssen versagte – z.B. Seiten­winden stärker als vier Meter/Sekunde. Dies versuchte man bei einem Zwischen­schritt, den man A5 nannte, zu be­heben. Die Be­zeich­nung “A4” sollte weiter­hin für die “Kriegs­rakete” reserviert bleiben.


Übersicht mit Größenvergleich. Wirklich gebaut wurden nur A1 bis A5. Die weiteren Raketen befanden sich zum Kriegsende im Entwurfsstadium.

Das A5 sah aus wie eine kleinere Ausgabe der späteren V2 etwa im Maßstab 1:2 [5]. Die Starts des A5 verliefen ab Oktober 1938 von Oie aus alle erfolgreich. Höhen von 13 km wurden erreicht und eine Reichweite von 18 km. Neu entwickeltes Triebwerk, neue Kreiselsteuerung, Stabilisierung, im Windkanal erprobtes Design bewährten sich, so dass mit den Arbeiten am A4 Januar 1939 begonnen werden konnte.

Der Weltkrieg beginnt


Start einer A4 vom Prüfstand VII in Peenemünde.

Der Kriegsbeginn im September 1939 änderte vieles. Die HVA geriet nun – wenig überraschend – immer mehr unter Druck “zu liefern”, was Dorn­berger der NS-Führung voll­mundig ver­sprochen hatten. Das Heer wollte die neue Waffe schon Ende 1941 ein­set­zen [6], wahr­scheinlich als direkte Rache­aktion gegen Groß­britannien nach der ver­lorenen “Luft­schlacht”. Nach vielen Fehl­versuchen, teils vor geladenem Pub­li­kum, kam es dann aber erst am 3. Oktober 1942 [7] zu einem rei­bungs­losen Flug (rechts ein Raketenstart vom Prüfstand VII). Dies war für Dorn­bergers Pläne nach seinem Be­kun­den so etwas wie Ret­tung in letzter Se­kunde. Hätte es diesmal nicht geklappt, hätte er “vor­schlagen müssen, die ganze in unserem Betriebe ge­bun­dene Rü­stungs­kapa­zität dem Flug­zeug- oder Panzer­bau zur Ver­fügung zu stellen” [8], die Kon­struk­tion von Flüssig­keits­rake­ten also auf­zu­geben. Der Per­sonal­stand der HVA lag Ende 1941 bei 3.500 Inge­nieuren, die dem direkten Kriegs­einsatz ent­zogen waren [9], andere Quellen nennen bereits für 1939 10.000 deutsche Arbeitskräfte und 8.000 Zwangsarbeiter [10].

Hitler wünschte zu diesem Zeitpunkt schon eine jährliche Produktion von “Hunderttausenden” Raketen [11]. Der Auftrag zur Massenproduktion wurde am 22. November 1942 an Rüstungsminister Speer erteilt, obwohl die Rakete noch längst nicht “serientauglich” war. Dornberger plante zunächst die Herstellung von monatlich 5.000 [12], wenig später 500, dann 900 Raketen pro Monat in den drei (oberirdischen) Werken Peenemünde (Versuchsserienwerk), Fried­richs­hafen (Zeppelinwerke) und Wiener Neustadt (Rax-Lokomotiven-Fabrik). Hinzu kamen mit der Zeit viele weitere Erprobungsstellen, Zulieferbetriebe und Prüfeinrichtungen. Dies blieb deutlich hinter dem Wunsch nach “Hunderttausenden” Raketen zurück und es war absehbar, dass die NS-Führung die Sache nun nicht mehr allein dem Heer überlassen würde.


Entwurf der Fertigungshalle F1 in Peenemünde. Geplant waren drei derartige Produktionsstätten, fertiggestellt wurden zwei. Die Raketenproduktion in Peenemünde wurde vollständig für Testabschüsse verbraucht.


Blick in das Serienversuchswerk vor seiner Beschädigung im August 1943.

Dornberger hatte Flüssigraketen immer wieder, auch bei mehreren Treffen mit Hitler, angepriesen und mit allen Mitteln versucht, die “höchste Dringlichkeitsstufe” zu erhalten. Die Heeresversuchsanstalt Ost allein hatte etwa 550 Millionen Reichsmark verschlungen, nun wollte die NS-Führung “endlich” Resultate sehen. Der von Rüstungsminister Albert Speer am 15. Januar 1943 eingesetzte Gerhard Degenkolb (Leiter des “Sonderausschusses A4”) einerseits und die SS mit Heinrich Himmler andererseits wollten die von Dorn­berger versprochene Serien­produktion nun mit Gewalt erzwingen.

Die NS-Führung versprach sich von der “Wunderwaffe” nach der Niederlage bei Stalingrad und Ausrufen des “totalen Krieges” noch die Kriegswende. Aber hatte nicht von Braun immer wieder vom Flug zum Mond oder Mars ge­schwärmt und Pläne für weitere uto­pische Groß­raketen entworfen [13], statt sich auf das “Nächst­liegende” zu konzentrieren? Diese ander­weitigen Pläne weiter zu ver­folgen, wurde nun verboten [14]. Die lei­ten­den Ingenieure hielten sich dennoch nicht immer daran. Als die Serien­produktion später (1944) – auch wegen ständiger tech­nischer Nach­besserungen – nicht so recht anlief, ließ Himmler am 15. März 1944 Wernher von Braun, seinen Bruder Magnus, Klaus Riedel, Hannes Lührsen und Helmut Gröttrup [15] durch die SS ver­haften. Vorwürfe: Ver­nach­lässigung der Pflichten zugunsten von Raum­fahrt­projekten, skeptische Äußerungen über den Kriegs­verlauf, Vor­berei­tung der Flucht nach Eng­land. Dornberger erreichte durch seine Ver­bin­dungen zu Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel und Major Hans-Georg Klammroth (der wiederum Verbindung zu Rüstungsminister Speer hatte) die Frei­lassung [16].

Walter Dornberger
Arthur Rudolph
Magnus von Braun, Bruder von Wernher von Braun
Helmut Göttrup
Klaus Riedel

Von links nach rechts: Walter Dornberger (Chef der HVA, Beirat Mittelwerk, †1980), Arthur Rudolph (Techn. Direktor Mittelwerk, †1996), Magnus von Braun (Ingenieur HVA und Mittelwerk, †2003), Helmut Gröttrup (Ingenieur HVA, †1981), Klaus Riedel (Raketenflugplatz Berlin u. Ingenieur HVA, †1944).

Etwa zwei Jahre zuvor, am 10. Dezember 1942, [17] hatte SS-Oberverbrecher Heinrich Himmler Peenemünde besucht. Beim abendlichen Kamingespräch analysierte er die Weltlage in unverfänglich klingenden Worten, denen man nichts­ahnend bei­pflich­ten könnte, hinter denen sich aber millionen­facher Mord verbarg, der seit der berüchtigten Wannseekonferenz am 20. Januar 1942 auch planmäßig organisiert in ganz Europa in vollem Gange war.

Der Führer denkt und handelt für Europa. […] Er ist der Überzeugung, dass die modernen Errungenschaften der Technik, besonders die Verkehrsmittel wie Eisenbahn, Kraftfahrzeuge und Flugzeuge die bisherige Wichtigkeit der nationalen Grenzen nicht mehr gerechtfertigt erscheinen lassen. […] In den heutigen Wirtschaftskämpfen kann sich nur noch der wirtschaftliche Großraum am Leben erhalten, […]. Europa ist […] ein solcher Großraum. Dieser […] Großraum muss sich um das wirtschaftlich und politisch stärkste Land als Kraftzentrum gruppieren” [18].

Das sollten wir gelernt haben: Der Zweck heiligt niemals die Mittel. Vielmehr ist der Zweck nicht gut, wenn die Mittel falsch sind. Die Wahl der Mittel ist entscheidend für den Erhalt unserer Freiheit. Das politische Verbrechen, das Böse, das ungeheures Leiden und Elend schafft, tarnt sich geschickt hinter dreisten Lügen und nachvollziehbaren Halbwahrheiten und besticht mit persönlichen Vorteilen; der Übergang zu brutalstem Zynismus ist fließend. Den Ingenieuren und Forschern in Peenemünde ging es bis dato sehr gut: Moderne Wohnunterkünfte, günstige Verpflegung, moderner Nahverkehr. Von Braun besaß ein Segelboot und eine Villa, bezog ein hohes Einkommen und nutzte für Geschäftsreisen und in der Freizeit so oft es ging seine eigene Messerschmitt Taifun [19].


Luftbild des KZ “Karlshagen I” von 1943 [20]. Die fünf Baracken waren wie üblich mit Stacheldrahtzaun umsäumt und wurden durch SS-Leute auf drei Türmen und Bunkern bewacht.

Dass es auch in Peene­münde Zwangs­arbeit und Todes­elend gab, spart Dorn­berger in seinen Er­inne­rungen, die andere bei ihrem Er­scheinen wiederholt als Aus­bund an Ob­jekti­vität gefeiert haben [21], gänz­lich aus. In Peene­münde gab es zwei Kon­zent­rations­lager mit durch­schnitt­lich 800-1.200 Häft­lingen [22], beide Außenstellen des KZ Ravensbrück. Die Häft­linge von “Karlshagen I” wurden von der Dienst­stelle der Luft­waffe (Peene­münde West) für schwere körper­liche oder hoch­gefähr­liche Erdarbeiten ein­gesetzt, so wie ab 1943 der Frei­legung von Blind­gängern zur Ent­schärfung. Ein Komman­do “Bunker­bau” bestand aus 400 Häft­lingen. Der Einsatz dieses Komman­dos wird von Zeit­zeugen als der brutalste beschrieben, insgesamt 295 Tote sind doku­mentiert [23]. “Karlshagen I” wurde Januar bis April 1945 “auf­ge­löst”, d.h. die Häft­linge kamen in andere KZ bzw. Ver­nich­tungs­lager. Einige von ihnen wurden noch in Peenemünde erschossen, erhängt oder erschlagen. Mitte der 1960er Jahre wurde am Rande des Friedhofs Peenemünde ein Massengrab entdeckt, einer dieser vermutlich polnisch- oder russisch-stämmigen 56 Menschen war durch Kopfschuss “hingerichtet” worden. Eine Untersuchungskommission stellte fest, dass es sich um Häftlinge des KZ “Karlshagen I” handelte [24].

Arthur Rudolph, Ingenieur aus dem Team von Wernher von Braun, Nazi seit 1931 und SS-Offizier seit 1940 [25], später Direk­tor im Versuchs­serien­werk Peene­münde und im Mittel­werk (KZ Mittel­bau-Dora), forderte am 2. Juni 1943 1.400 Häft­linge aus Kon­zentrations­lagern für Peene­münde an. Der Zeitzeuge K. Friedrich Baudrexl schilderte 1995, dass Dornberger vor den deutschen Arbeitern die “Unterbringung” und den Einsatz von KZ-Insassen im Sockel­geschoss der Fer­tigungs­halle F1 in Peenemünde (“Karlshagen II” oder “Häftlingslager F1”) an­kün­dig­te und diese pauschal als “Mörder, Diebe, Verbrecher” diffamierte [26], eine übliche Propaganda­masche der Nazis, um ein Aufkommen von Mitleid mit den willkürlich Inhaftieren und Versklavten im Keim zu verhindern. Das KZ-Arbeitslager “Karlshagen II” bestand vom 17. Juni bis 3. Oktober 1943 und war der Heeres­ver­suchs­anstalt zugeordnet. Die 600-650 Häft­linge wurden in der beginnenden Serien­produktion des Aggregat A4 eingesetzt und zum Bau eines größeren Lagers für 1.400 Häftlinge. “Die Lebens- und Arbeits­bedin­gungen unter­schie­den sich nicht von denen anderer Kon­zen­trations­lager” [27]. Dorn­berger schwor noch 1969 (wahrheitswidrig) unter Eid, er habe vom Einsatz der KZ-Häft­linge in Peene­münde “nichts gewusst” [28].


Keine Gedenkstätte, keine Dokumentation, kein Hinweisschild: Das ehemalige KZ “Karlshagen I” ist heute ein “lost place”, nur noch ein paar Betonpfosten des Stacheldrahtzauns sind übrig. [29]

Das Märchen einer “sauberen” Trennung der “guten und unschuldigen” Peenemünder Ingenieure hier und der bösen, durch die SS geleiteten Häftlingsausbeutung dort, ist eine Legende. Leider taucht diese Falschdeutung gerade in der Gegenwart, meist aus der rechten politischen Ecke, immer wieder auf, wobei insbesondere überlebende Zeugen aber auch schriftliche Zeugnisse ignoriert werden. Die Peenemünder blickten später stolz auf ihre Ingenieursleistungen, ließen sich für ihre zahlreichen Auszeichnungen feiern und sahen sich als Helden der Raumfahrt – menschlich verhielten sie sich alles andere als heldenhaft, waren für das Elend und Sterben der KZ-Häftlinge und Zwangs­arbeiter mitverantwortlich und schauten tatenlos zu – und wohl nicht nur aus Angst, selbst zum Häftling zu werden [30], sondern einfach aus kaltem Desinteresse. Damit ist nicht gesagt, dass die Ingenieure die Verbrechen des sogenannten Dritten Reiches bejahten. “Doch nutzten sie die Möglichkeiten des Regimes, ohne humanitäre Rücksicht Arbeitskräfte aus Konzentrationslagern sowie Zwangsarbeiter zur Realisierung ihrer Vorhaben zu verwenden” [31].

Dass dies keine singuläre Haltung war und Zwangsarbeit und der oft erbarmungslose und tödliche Einsatz von KZ-Häftlingen ab 1943 in vielen großen und kleinen deutschen Betrieben und so auch in den Zulieferbetrieben der Raketenproduktion zur gängigen Praxis wurde, erklärt zwar das kollektive Ausblenden dieser Verbrechen, schmälert aber nicht die Verantwortung der Beteiligten [32]. Entscheidendes und verantwortliches Gremium war ab Ende 1943 der “Sonderausschuss A4” unter Leitung von Gerhard Degenkolb, in dem offen der Einsatz von Häftlingen besprochen und beschlossen wurde. Mitglieder des Ausschusses waren u.a. auch Arthur Rudolph, Wernher von Braun (zuständig für die “Endabnahme”) und sein Stellvertreter Eberhard Rees (“Rationalisierung”)  [33].

Peenemünde wird bombardiert


Angriffsplan der Royal Air Force zu Peenemünde. Tatsächlich wurden vor allem die Wohnsiedlungen im Südosten (F) bombardiert. Das Kraftwerk (C) blieb dagegen unbeschädigt.

Bedeutender Einschnitt in der Geschichte der HVA Peenemünde war die erste britische Bombardierung im Zuge der sogenannten “Operation Hydra” in der Nacht des 17. auf den 18. August 1943 [34]. Briten und Amerikaner waren durch die Wider­stands­gruppe um den öster­reichi­schen Priester Heinrich Maier, Berichte der polnischen Heimatfront und von Kriegsgefangenen in Peenemünde [35] über Stand­orte von Rüstungs- und Zuliefer­betrieben und auch über die Ent­wick­lungen in der Heeres­versuchs­anstalt Peene­münde ab 1940 gut infor­miert. Auf­klärer hatten das Ge­lände seit Monaten aus der Luft foto­grafiert. Ein Täu­schungs­manöver ließ die Deut­schen glauben, die 596 Bomber zögen nach Berlin. Doch ab 1:17 Uhr schlugen in drei Angriffs­wellen 1.874 Tonnen Spreng- und Brand­bomben ein – sie zer­störten vor allem die Wohn­siedlung der Inge­nieure, durch einen Markierungs­fehler das Zwangs­arbeiter­lager Trassen­heide [36], be­schädigten die Fer­tigungs­hallen F1 und F2 und das Ent­wick­lungs­werk. Bis zu 1.000 Men­schen sollen bei der Bom­bar­dierung ums Leben ge­kommen sein [37] – durch direkte Treffer auf die un­zu­rei­chen­den Schutz­räume, Brände und auch durch Tief­flieger, die am Strand Jagd auf flüch­tende Stabs­helfe­rinnen machten [38]. Die Schäden an Maschi­nen und Gebäuden waren schluß­endlich aber geringer, als vom Ober­befehls­haber des RAF Bomber Command, Arthur Harris, erhofft. Bereits einige Wochen nach dem Angriff gingen Arbeiten in Peene­münde weiter.

Als Antwort auf den Bombenangriff ordneten Hitler, Himmler und Speer die Verlagerung der Raketenproduktion in Höhlen oder Bunker an. Am 25. August forderten auch die Peenemünder Ingenieure die “Bereitstellung geeigneter Höhlen”, wohl wissend, dass diese “Bereitstellung” nur unter Einsatz von Häftlingen zu realisieren war [39]. Ab Ende August 1943 wurde dann mit Hilfe von KZ-Gefangenen auf brutalste Weise der Ausbau des Bergwerks und unterirdischer Fabrikationsanlagen in den vorhandenen Kohnstein-Stollen bei Nordhausen (süd­west­licher Harz) [40] begonnen. Am 28. August trafen die ersten 107 Häftlinge mit ihren SS-Bewachern aus dem KZ Buchenwald im “Arbeitslager Dora” ein – schon einen Tag später reiste Wernher von Braun ein erstes Mal nach Dora [41], wo er sich in der Folge “sehr oft” aufhielt [42]. Einige Tage später folgte Albin Sawatzki (Direktor für Planung der Mittelwerk GmbH) mit 12 Mitarbeitern, wenig später Arthur Rudolph (Direktor für Fertigung und Montage der Mittelwerk GmbH). Am 2. September folgte die zweite Häftlingsgruppe aus 1.223 Gefangenen. Im Oktober 1943 wurden die Anlagen im Peenemünder Versuchsserienwerk abgebaut und in den Kohnstein transportiert.

Das Werk in Friedrichshafen war am 22. Juni von Bombern der Royal Air Force angegriffen und die dortige V2-Produktion lahm gelegt worden. Auch das V2-Zuliefer-Werk in der Wiener Neustadt, das sich erst im Aufbau befand, wurde im August und Oktober 1943 bombardiert. Maschinen und überlebende Häftlinge wurden ins Mittelwerk überführt [43]. Die 650 KZ-Häftlinge aus dem Sockelgeschoss der Peenemünder Fertigungshalle F1 kamen über das KZ Buchenwald ebenfalls in das Nebenlager Dora. Bis zum Jahresende wurden in den Stollen 10.000 Menschen eingepfercht.

Tod und Verderben in den Stollen

Hier, im später eigenständig verwalteten Konzentrationslager Mittelbau-Dora starben 1943-45 etwa 20.000 Menschen. Mit Pickel und Brechstange oder gar nur mit ihren eigenen Händen [44] mussten sie weitere Stollen in den Berg treiben. Hierfür hatte der berüchtigte SS-Bau-Offizier Hans Kammler vom “Sonderausschuss A4” die Verantwortung erhalten. Er trieb nicht nur den Bau von “effektiveren” Gaskammern in Ausschwitz-Birkenau voran, sondern tauchte in den letzten Kriegsjahren überall auf, wo mit KZ-Sklaven unterirdische Produktionsanlagen aus dem Berg gehauen und “Wunderwaffen” entwickelt werden sollten [45].


Plan des Mittelwerk-Stollensystems. Links der heutige Museumseingang. Die Untertage-Verlagerung “Kaolin” (B11) sollte eine gigantische Produktionsfläche von 600.000m² erhalten und die gesamte Flugzeugproduktion der Firma Junkers bombensicher aufnehmen. Die Anlage “Zinnstein” (B12) sollte als Zuliefererbetrieb Sauerstoff und Flugzeugbenzin für die Raketen und Flugzeuge herstellen. Die V2-Produktion befand sich im linken (=südlichen), die V1- und Triebwerksproduktion für die ME 262 Düsenjäger ab April 1944 im rechten (=nördlichen) Teil der unterirdischen Anlage. Das Beitragsbild zeigt die heute gänzlich verschüttete Zufahrt zum A-Stollen.

Bis das Barackenlager fertig gestellt war, hausten die KZ-Häftlinge in den Stollen, bekamen kaum zu essen und zu trinken, geschweige denn Wasser zum Waschen und und sahen kein Sonnenlicht. Es gab als Toiletten nur alte Fässer und Kleidung zum Wechseln gab es auch nicht. Diese bestand nur aus jeweils gestreifter dünner Hose, Jacke, Mütze und – wenn man Glück hatte – Holzpantinen – keine Unterwäsche oder Strümpfe, keine Pullover, Jacken oder Mäntel. Zunächst gab es in den “Schlafgrotten” nur Stroh, später einfach zusammengenagelte, vierstöckige Pritschen, die oft zusammenbrachen. Die Holzpritschen waren verdreckt und voller Ungeziefer.

Durch den Hitler-Fotografen Walter Frentz (genannt “Das Auge des Dritten Reiches”, auch Kameramann für Leni Riefenstahl) wurden 1944 Aufnahmen aus der V2-Produktion mit Häftlingen inszeniert, die heute im wahrsten Wortsinn ein “desinfiziertes”, falsches Bild erzeugen, sollte man diese als dokumentarisch missverstehen [46].


Lebendig begraben – Holzschnitt des KZ-Überlebenden Dominik Černý 1952.

Die Luft war staubig und vergiftet durch die permanenten Sprengungen [47] oder die Asphaltierung des Bodens [48], es war ständig laut und an Schlaf kaum zu denken. Krankheiten wie TBC grassierten, die Menschen waren schmutzig, zerlumpt, verlaust und verwanzt. Wagner: “… es herrschte ein unerträglicher Gestank, der von den Abortkübeln und den in dunklen Ecken verwesenden Leichen ausging” [49]. Und trotzdem wurden sie brutal im Wechsel zu 12-Stunden-Schichten angetrieben, im Zweifel mit Stöcken und Gummiknüppeln. In den ersten sechs Monaten starben allein dabei 6.000 Menschen. Rüstungsminister Albert Speer, der für Mittelbau-Dora nie zur Verantwortung gezogen wurde, lobte Kammler im Dezember 1943: “Ich nehme Veranlassung, Ihnen für diese wirklich einmalige Tat meine höchste Anerkennung auszusprechen, mit der Bitte, Herrn Degenkolb auch weiterhin in dieser schönen Form zu unterstützen” [50]. “Die Ingenieure, Techniker und Spezialisten waren zufrieden” [51].


Struktur der Mittelwerk GmbH im Mai 1944 [52].

Später, ab Januar 1944 [53], ging es abends zurück in das von der SS streng bewachte Lager, das mit eigener zynischer “Infrastruktur” ausgestattet war, darunter “Sanatoriumsbaracken”, in denen man die Totkranken einfach ablegte und nicht weiter versorgte (üblich war der Transport von Kranken und nicht mehr Arbeitsfähigen in das Sterbelager Boelckekaserne Nordhausen, in die Vernichtungslager Majdanek, Lublin und Bergen-Belsen oder man verschob noch “brauchbares Menschenmaterial” in die Außen- und Baulager um Nordhausen). Ab Januar 1944 kam ein “mobiler Verbrennungsofen” zum Einsatz [54] und ab März/April 1944 ein Krematorium (Block 40) [55], in dem fast pausenlos der Schornstein rauchte [56]. Der grausige Umgang mit den Menschen machte nicht nach deren Tode halt, ihre sterblichen Überreste wurden behandelt wie lästiger Müll.


Gedenkstein am ehemaligen Krematorium des KZ Mittelbau-Dora.

Die Asche der etwa 5.000 hier Verbrannten [57] kippte man achtlos hinter dem Krematorium auf den Hang, wo mit den Monaten ein Hügel entstand (Bild links, heute als Aschengrab ausgewiesen). Im Januar und Februar 1945 kamen aus Auschwitz Züge mit KZ-Häftlingen an, in den Viehwaggons waren auf der Fahrt Tausende verhungert und verdurstet [58]. Daher wurden die Leichen nun wegen Überlastung des Krematoriums zusätzlich auf Scheiterhaufen verbrannt. Unterhalb des Krematoriums gab es ab 1945 ein Lager-Bordell [59], vorrangig für den “SS-Lagerschutz”, die Kapos [60] und Männer aus der Lagerverwaltung. Den polnischen Frauen aus dem KZ Ravensbrück war für ihre “Dienste” die Freiheit versprochen worden, tatsächlich wurden auch sie zum Kriegsende auf Todestransporte geschickt [61].

Ein Ex-Häftling zeigt amerikanischen Soldaten 1945 den Krematoriumsofen.

Walter Dornberger gehörte ab 1943 dem Beirat der Mittelwerk GmbH an und war daher mitverantwortlich für die dortige “Vernichtung durch Arbeit” [62]. Als technischer Direktor der Mittelwerk GmbH hatte Arthur Rudolph mit Direktor Albin Sawatzki (der mit Kammler laut Rudolph befreundet war [63]) gemeinsam die Verantwortung (siehe obiges Diagramm) für den Häftlingseinsatz. In seinen Memoiren schiebt Rudolph allein Sawatzki und Kammler die Verantwortung zu und stellt sich als Opfer der Umstände dar. Sawatzki war tatsächlich “die eigentlich treibende Kraft in der Führungsetage des Mittelwerkes” [64] – und dabei wohl mehr als unsympathisch. Der überlebende KZ-Häftling Adam Cabala (in (GJ), S. 168): “Er trug die Verantwortung für den Bau der unterirdischen Gänge. Er nahm die Häftlingskolonnen aus Buchenwald in Empfang, schickte die “Kadavertransporte” nach Buchenwald ins Krematorium, ihm oblag alles außer der Forschungsarbeit und der Produktion”. Brutal gingen die überwiegend deutschen Kapos, Vorarbeiter [65], die SS-Leute und die SS-Offiziere vor. Kammler ließ z.B. mal eben 30 Gefangene im KZ erhängen, da ihm der Mangel an Disziplin nicht gefallen habe [66] und bezeichnete dies als “alten Witz”.

Den Peenemünder Ingenieuren waren die “Produktionswerke” in Friedrichshafen, Wien und vor allem “Mittelbau Dora” und die Vorgehensweise der SS wohl vertraut, und Wernher von Braun war im KZ Dora und Buchenwald keineswegs stets nur “kurz” und um “technische Fragen” zu klären. In Buchenwald suchte er eigenhändig “geeignete” Häftlinge für Dora aus [67]. “Meine Verantwortung für die Qualitätskontrolle bedeutete, dass ich gezwungen war, ständig den Produktionsfluß zu unterbrechen” [68]. Und: “Es war für mich natürlich jedesmal ein außerordentlich deprimierender Eindruck, wenn ich in das unterirdische Werk hineingehen und dort die Häftlinge bei der Arbeit sehen musste” [69]. Seine Qualitätskontrollen und Änderungen in den Produktionsabläufen hatten unmittelbare Auswirkungen auf die Schicksale der Häftlinge, denen beim leisesten Sabotage-Verdacht “die besonders grausame Strafe des langsamen Erhängens” drohte [70]. Wie hier, im Außenlager des KZ Buchenwald, Zehntausende brutal ums Leben kamen, konnten sie beeinflussen, konnten sie sehen, nahmen es aber hin. “Die deutschen Wissenschaftler mit Professor Wernher von Braun an der Spitze sahen alles täglich mit an. Wenn sie die Gänge entlanggingen, sahen sie die Schufterei der Häftlinge, ihre mühselige Arbeit und ihre Qual”. “Ich glaube nicht, dass er die in Schmutz und Dreck Sterbenden nicht sah. Er musste sie sehen! Warum schwieg er?” [71].

Albert Speer

Gerhard Degenkolb
Albin Sawatzki
Otto Förschner
Hans Kammler

Von links nach rechts: Albert Speer (Rüstungsminister, †1981), Gerhard Degenkolb (Vorsitzender A4-Ausschuss, †1954), Albin Sawatzki (Direktor Mittelwerk, †1945), Otto Förschner (Lagerkommandant KZ Mittelbau-Dora, †1946), Hans Kammler (SS-Baugeneral, Beirat Mittelwerk, †1945 (?)).

Nicht einmal das Wort “Konzentrationslager” taucht im gesamten Dornberger-Buch auf, geschweige denn werden Schläge, Zwangsarbeit, Krankheit, Hunger oder Tod erwähnt. Dornberger versucht den Eindruck zu erwecken, “als habe es sich um eine völlig normale Produktionsanlage gehandelt” [72]. Skrupel wurden ausgeblendet, zu einem Widerstand kam es nicht. Sogar einige SS-Leute waren, was das angeht, möglicherweise menschlicher, denn ab 1944 organisierten sich etwa 100 vorrangig polnische Häftlinge zu Widerstandsgruppen [73], die von der SS sogar Maschinengewehre beziehen konnten (sofern dies nicht eine von SS oder Gestapo provozierte Aktion war) [74]. Bevor es zu einem Aufstand kam, wurde dieser nämlich durch Häftlinge verraten und die Betreffenden wurden brutal ermordet [75].

Ingenieure und Werksleitung sahen in den KZ-Häftlingen keine Menschen, sondern nur Produktionsfaktoren, Arbeitstiere, deren Tod man in Kauf nahm und war emotional und moralisch abgestumpft [76]. Man fokussierte sich auf Organisatorisches, Technisches, feierte das Funktionieren mit kindlicher Naivität, setzte alles daran, die Aggregate funktionabel, steuerbar und reproduzierbar werden zu lassen: jugendliche Bastlermentalität, pubertär gebliebene, unreife Fummel-Leidenschaft ohne Gewissen. “Wir brüllten und umarmten uns wie kleine, von Freude übermannte Jungen” [77]. Resümierend schrieb Dornberger: “… wenn ich wie im Zeitraffer all die Erkenntnisse, Bilder und Eindrücke der Jahre 1930-1945 noch einmal vor meinem Geiste abrollen ließ, dann erfüllte mich ein unbändiges Gefühl des Glückes und der Dankbarkeit” [78].

Wird fortgesetzt …


Fußnoten

[1] Wikipedia, Konzentrationslager: Am 3. März 1933 wurde in einer Militärschule bei Weimar das KZ Nohra als erstes Konzentrationslager des Dritten Reiches eingerichtet. Welt, Dachau – Heinrich Himmler und das erste KZ: Am 20. März 1933 gab Heinrich Himmler offiziell die Fertigstellung des ersten deutschen Konzentrationslagers bekannt. “Am Mittwoch wird in der Nähe von Dachau das erste Konzentrationslager eröffnet. Es hat ein Fassungsvermögen von 5.000 Menschen. Hier werden die gesamten kommunistischen – und soweit notwendig: Reichsbanner- und marxistischen – Funktionäre, die die Sicherheit des Staates gefährden, zusammengezogen.” In den folgenden Tagen wurden 13 weitere KZ eingerichtet und zunächst von der SA und der Gestapo, später von der SS betrieben. 

[2] (WD), S. 54 und 56f. Wikipedia, Greifswalder Oie: Der Betreiber des Gasthofs namens Halliger wird von Dornberger als humorvoller Mann beschrieben. Den Humor wird er 1937 möglicherweise eingebüßt haben, als die Familie von der Insel vertrieben wurde. Diese war anschließend bis zur “Wende” 1989 militärisches Sperrgebiet. Von der Insel wurden bis 1942 mehrere hundert (wiederverwendbare) A5 und 28 A4 gestartet. 

[3] (WD), S. 67f, (FK), S. 37. 

[4] (WD, S. 57. 

[5] Wikipedia: Aggregat 5: Die Rakete hatte eine Länge von 5,825 Metern bei einem Durchmesser von 0,78 Metern und einem Startgewicht von 900 Kilogramm. 

[6] (MN), S. 94 und (JW), S. 35 + (JW), S. 44f: Nach einem Treffen Dornbergers und von Brauns mit Hitler am 20. August 1941 vergab letzterer der Entwicklung der A4 am 15. September 1941 die “höchste Dringlichkeitsstufe”. Eine Tatsache, die in den Memoiren der Peenemünder häufig unterschlagen wird. Rudolph in seinen Memoiren ((FK), S. 50): “Hitler […] wurde durch den knalligen Film über den Start der V2 offenbar noch weiter weltentrückt inspiriert. Der Erfolgsfilm aus Penemünde versprach für die Phantasie des “Führers” viel mehr, als die Realität halten konnte”. 

[7] Zufällig exakt 48 Jahre vor dem ersten “Tag der deutschen Einheit” am 3. Oktober 1990. 

[8]  (WD), S. 15. 

[9] (JW), S. 42. Neufeld nennt “mindestens 3.000 Ingenieure” für Ende 1941 ((MN), S. 94. 

[10] (GJ), S. 39. 

[11] (JW), S. 45. 

[12] (JW), S. 49. 

[13] Z.B. (MN), S. 73. Diese Darstellung wird allerdings durch den Historiker Rainer Eisfeld mit Hinweis auf die Memoiren Paul Wegeners in Zweifel gezogen. Dass man in der HVA über das A4 als “Sprungbrett zum Mondflug” gesprochen habe, gehöre danach in den Bereich des “Mythos Peenemünde” ((GJ), S. 244).
Zweifellos hatte von Braun aber andere Raketen-Zukunftsprojekte in Planung ((JW), S. 44), die “unter der Hand” fortgeführt wurden. Er hatte sich bereitwillig dem Militär angeschlossen, das ihm einen erheblichen Wohlstand garantierte. 1932 hatte er aber noch Atmosphärenforschung, Erdbeobachtung und Meterologie, Postraketen, interkontinentalen Passagierschnellverkehr und die Mondrakete als Anwendungsoptionen von Flüssigkeitsraketen herausgestellt ((JW), S. 20). (MN), S. 73: “… dass von Braun dazu neigte, zu viele Ideen zu haben und diese mit zu großem Enthusiasmus anzugehen, was bisweilen dazu führte, dass er seine eigentliche Aufgabe aus den Augen verlor.” 

[14] (JW), S. 48: “… Dornberger [zog] die Zügel straffer und befahl die Konzentration aller Arbeiten auf die A4-Rakete mit dem Ziel, den ersten Start Anfang 1942 durchzuführen”. 

[15] Gröttrup spielte nach dem Krieg im Raketenprogramm der Sowjetunion eine wichtige Rolle, siehe Teil III.  

[16] (JW), S. 66 u. (WD), S. 222f. Dornberger nennt Magnus von Braun und Lührsen (nach Wikipedia ebenfalls verhaftet) nicht. Historiker sind sich uneins, ob diese Verhaftung eine (symbolische) Drohung oder ernsthaft gemeint war. Vermutlich war die NS-Führung seit 1942 der Meinung, dass die Rakete – nach dem erfolgreich vermarkteten Teststart – fertig sei und man hatte angesichts der sich zuspitzenden Lage im “totalen Krieg” wenig Verständnis für technische Detailprobleme. Ganz in der totalitären Logik konnten also nur Sabotage oder eine unfähige Leitung der Grund für die “Verzögerungen” sein. Sabotage und Fluchtvorwurf hat von Braun stets bestritten, obwohl dies unter moralischen Gesichtspunkten weitaus besser gewesen wäre, als bei der tödlichen Ausbeutung von Zehntausenden KZ-Häftlingen weiterhin mitzuwirken. Die Geschichte wäre anders verlaufen. Höchst wahrscheinlich ist, dass es in Peenemünde und Umgebung Spitzel gab, die Inhalte vertraulicher Gespräche bzw. Gespräche in kleinen Gruppen an die SS weitergaben (vgl. (WD), S.229). Wikipedia: Klaus Riedel kam im August 1944 “bei einem mysteriösen Autounfall” ums Leben. Klamroth wusste von den Attentatsplänen des 20. Juli 1944 und wurde am 26. August 1944 hingerichtet. Keitel wurde in den Nürnberger Prozessen als einer der Hauptkriegsverbrecher überführt und am 16. Oktober 1946 gehängt. 

[17] (JW), S.51. 

[18] Zitiert nach (WD), S. 207f. 

[19] (JW), S. 71 und 66: Von Braun hatte den ersten Pilotenschein 1933 gemacht und “flog so oft er konnte”. Für Dienstreisen stellte das Heer ihm schon 1935 in Kummersdorf ein eigenes Flugzeug zur Verfügung ((MN), S. 76). 

[20] App “Peenemünde Denkmal-Landschaft”, Stationen, Das KZ-Arbeitslager Karls­hagen I. 

[21] So z.B. Eberhard Rees (in Peenemünde Stellvertreter Wernher von Brauns) in seinem Geleitwort zur erweiterten Neuauflage von (WD) 1981, S. 9. Jens-Christian Wagner bescheinigt Dornbergers Memoiren eine “verzerrende Sichtweise” ((GJ), S. 104f). Das Buch Dornbergers dürfte eigentlich nicht mehr ohne das Vorwort eines Historikers wie Wagner neu erscheinen, meine ich. Rees spielte in den USA eine wichtige Rolle im Raumfahrtprogramm. Nach dem Ausscheiden von Brauns war Rees von 1970 bis zu seiner Pensionierung 1973 Direktor des Marshall Space Flight Centers. Trotz des von Präsident Richard Nixon reduzierten Weltraumprogramms der NASA weitete Rees das Programm des MSFC aus. Er initiierte u.a. die High Energy Astrophysical Observatories (HEAO) und das Weltraumteleskop, später Hubble-Weltraumteleskop, die Triebwerke des noch heute fliegenden Space Shuttle, die erste Raumstation der Amerikaner Skylab, das Mondauto LRV und den Umbau der bis dato bekannten Raketenschmiede Huntsville zum Wissenschaftszentrum. 

[22] (TH), S. 34 u. ganz detailliert S. 38f. Leicht abweichende Angaben finden sich unter Heimatverein Karlshagen. (GJ), S. 40, nennt “durchschnittlich 1.200” Häftlinge, so wie Christl Wickert in (GJ), S. 210f. 

[23] Wikipedia: Heeresversuchsanstalt Peenemünde, Abschnitt “Bombardierung und Untertageverlagerung”. (GJ), S. 92 nennt 248 Todes­fälle, Christl Wickert in (GJ), S. 211, nennt 200 Tote. [23]

[24] Wikipedia: Mahn- und Gedenkstätte Karlshagen.  

[25] Mitgliedsnr. 562007 

[26] (TH), S. 17. 

[27] (JW), S. 53. Wahrscheinlich waren die Bedingungen in den KZ-Außenlagern (Karlshagen I und II sowie Barth) des KZ Ravensbrück sogar deutlich verheerender als im Hauptlager, siehe Christl Wickert in (GJ), S. 214f. Weithin vergessen scheint, dass Ravensbrück nicht nur ein Frauen-, sondern auch ein Männerlager war. (GJ), S. 221: “Die Leiden und die Erlebnisse der Männer in Karlshagen können Nachgeborene nie nachvollziehen”. Das scheint wohl leider wahr zu sein. 

[28] Wikipedia: Walter Dornberger, Abschnitt “Leben”. (FK), S. 39: Rudolph schildert in seinen Memoiren freimütig, wie Dornberger ihm eine Gruppe von Zwangsarbeitern zum “Aufräumen” von Holzabfällen organisierte. Dornberger kann folglich von deren Existenz nicht nichts gewusst haben. 

[29] App “Peenemünde Denkmal-Landschaft”, Stationen, Das KZ-Arbeitslager Karls­hagen I. 

[30] Furcht, wie sie etwa Arthur Rudolph schildert, z.B. (FK), S. 72. Rainer Eisfeld in (GJ), S. 229: Der Mythos Peenemünde mit seinen Unwahrheiten, Auslassungen, Dramatisierungen war zum Teil Produkt des Abenteurers und Romanautors Franz Ludwig Neher, der auch Mitautor an Dornbergers Memoiren (WD) war und später auch von Braun publizistisch beriet. 

[31] (GJ), Prof. Dr. Bernd Faulbach, S. 28. 

[32] Siehe (GJ), S. 105. So mancher “Industrieführer” würde wohl auch heute Zwangsarbeiter einsetzen, wenn es denn erlaubt wäre, z.B. in der fleischverarbeitenden Industrie. 

[33] (FK), S. 77 u. (GJ), S. 106. Rees trat am 1. November 1933 der SA bei ((GJ), S. 232). 

[34] Wikipedia, Heeresversuchsanstalt Peenemünde: Die Heeresversuchsanstalt wurde insgesamt viermal schwer bombardiert: am 17./18. August 1943, 18. Juli 1944, 4. August 1944 und 25. August 1944. 

[35] Wikipedia: Heinrich Maier (Theologe): Die Bei­träge der Widerstandsgruppe über Rüstungsindustrie und Produktionsstandorte sollten sich später zu 92 Prozent als richtig erweisen und waren somit ein effektiver Beitrag zur alliierten Kriegsführung. Die Alliierten konnten einerseits zielgerichtet Rüstungsindustriebetriebe treffen und andererseits wurde durch diese Informationen und die folgenden Luftangriffe der Nachschub der deutschen Luftwaffe entscheidend geschwächt. (GJ), S. 42f und S. 55, FN 32: “Belegt ist die Weitergabe von Informationen an ausländische Widerstandsorganisationen”. Eine internationale Widerstandsgruppe traf sich regelmäßig in einem Zinnowitzer Wohnhaus. Die Gruppe wurde 1943 durch einen Agenten verraten, wobei Wernher von Braun mithalf. Polishresistance: Die Heimatarmee (AK) im Kampf um die Erlangung des Geheimnisses der Waffen V1 und V2: Polnische Zwangsarbeiter gaben Informationen über V1 und V2 an das Luftfahrtreferat des Büros für Industriestudien, geleitet von Ing. Anton Kocjan, weiter. Die Informationen wurden per Funk oder von Kurieren an die polnische Hauptkommandantur in London weitergegeben, die sie den Engländern übermittelte. 

[36] In diesem Lager waren mehrere tausend Arbeiter aus Tschechien, Polen, der Sowjetunion, aus den Niederlanden, Belgien, Luxemburg und Frankreich untergebracht, viele von ihnen Kriegsgefangene, aber auch sogenannte “Zivil-” oder “Vertragsarbeiter”. Eine Abgrenzung ist der Forschung bisher nicht gelungen, die Lebensumstände unterschieden sich kaum. Das Lager war von Stacheldraht umzäunt, die Baracken wurden nachts verschlossen. Die Lebensumstände waren bescheiden. Zum Lager gehörte auch ein Bordell mit polnischen Prostituierten. Dornberger hatte unbeschränkten Zugriff auf die Arbeitskräfte, wie Rudoph in seinen Memoiren anekdotisch schildert ((FK), S. 39). Bis 1943 hatte sich im Lager Widerstand organisiert, dessen Protagonisten aber im britischen Bombenhagel umkamen (Youtube: Peenemuende V2 Entwicklung), zu dessen Vorbereitung sie Informationen nach London gegeben hatten. “Wer sich vor dem Feueer und den Bomben retten wollte, wurde ‘von den SS-Wachmännern entweder angeschossen oder von Hunden zurückgehetzt'” ((JW), S. 56). 

[37] So zumindest (FK), S. 58. Andere Quellen sprechen von etwa 725 Toten, darunter 600 Zwangsarbeiter. Diese mussten sterben, weil der Lagerkommandant sie auch während des Bombenangriffs in ihren Baracken bzw. im Lager einschließen ließ, so dass sie keinen Schutz in den außerhalb liegenden Bunker-Einrichtungen suchen konnten ((GJ), S. 76): “[…] denn beispielsweise starben viele Zwangsarbeiter im Lager Trassenheide, weil ihre Baracken noch brennend verriegelt, teilweise bewacht und eingezäunt waren, sodass viele nicht ins Freie laufen konnten und außerdem Schutzvorrichtungen wie Splittergräben für die Zwangsarbeiterlager unzureichend oder nicht vorhanden waren”. Wikipedia nennt exakt 621 Opfer unter den Zwangsarbeitern (Wikipedia: Trassenheide). 

[38] (FK), S. 58. 

[39] (GJ), S. 107. 

[40] (GJ), S. 107 u.a.: Bis dahin ein geheimes unterirdisches Treibstofflager (“Aussenstelle Niedersachswerfen” oder kurz “NI”) der Wehrmacht, betrieben von der “Wirtschaftlichen Forschungsgesellschaft” (WIFO). Bereits im halbfertigen Bauzustand war das Stollensystem 1943 das größte Treibstofflager Deutschlands und hätte ausgereicht, den Treibstoffbedarf für gut zwei Jahre sicherzustellen. Als die Untertage-Verlagerung der Raketenproduktion begann, war der durchgehende Fahrstollen B am 28. August 1943 gerade fertig geworden – und zwar ohne den Einsatz von KZ-Häftlingen. 

[41] (GJ), S. 108. 

[42] Nach Adam Cabala in (GJ), S. 168. 

[43] Wikipedia, Luftangriffe auf Wiener Neustadt. (GJ), S. 165ff: Einer von Ihnen war Adam Cabala, der 1957 einen ersten Bericht über die Zustände im Mittelwerk schrieb: Das Geheimnis des Tunnels von Dora, erschienen 1958 im Mon-Verlag. Das Manuskript ist vollständig enthalten in (GJ) ab S. 160. 

[44] (JW), S. 59. 

[45] (JW), S. 57: Kammler ist persönlich verantwortlich für mehrere Massaker an Häftlingen. Er hat sich angeblich am 9. Mai 1945 bei Prag das Leben genommen. Andere neuere Quellen legen nahe, dass er heimlich in die USA gebracht, dort monatelang verhört wurde und 1947 starb. ZDF: Rätsel um Hitlers Geheimwaffenchef-Neue Belege: Hat SS-General Kammler überlebt?. Welch Geistes Kind Kammler war, zeigt sich in seinem “Vorschlag” im Frühjahr 1945, man möge sämtliche überlebenden Häftlinge doch im unterirdischen Mittelwerk zusammentreiben, dort töten und dann das Werk in die Luft jagen. Adam Cabala in (GJ), S. 171: “Ungefähr Mitte März 1945 […] sollte der Tunnel Dora auf Befehl des Oberkommandos mitsamt den Häftlingen in die Luft gejagt werden. Dieser unmenschliche Plan […] konnte jedoch nicht verwirklicht werden, es fehlte die Zeit dazu”. Nach der Historikerin Regine Heubaum ((GJ), S. 164) halte dies einer “quellenkritischen Prüfung nicht stand”. Vor dem Hintergrund des Todesbefehls Himmlers vom 14. April 1945, wonach kein KZ-Häftling lebend zurückzulassen sei, erscheint dieses mehr als zynische Verhalten aber als wahrscheinlich. Vergleichbare Verbrechen hat Kammler schließlich mit dem Massaker im Arnsberger Wald begangen, bei dem in Warstein vom 21. bis zum 23. März 1945 208 Zwangsarbeiter ermordet wurden. Schon vor diesem Hintergrund hätten die USA sicher alles getan, um Kammlers Verbringen in die USA zu bestreiten bzw. absolut geheim zu halten. Dornberger wurde von Großbritannien 2 Jahre interniert, weil er zum Verbleib Kammlers keine Auskunft zu erteilen wusste ((FK), S. 116.). Oder es nicht wollte? Eine gewisse Bewunderung, zumindest Respekt scheint Dornberger gegenüber Kammler empfunden zu haben, er nennt ihn in seinen Memoiren einen “Berserker”, der die Kriegswende allein nicht mehr herbeiführen konnte. 

[46] Wikipedia, Walter Frentz: “[…] wurden die Aufnahmen sowohl für seriöse Publikationen und Presseerzeugnisse genutzt als auch in rechten und rechtsextremen Kreisen stark rezipiert und publizistisch verwertet.” Immerhin zeigen einige Aufnahmen unfreiwillig, wie eng deutsche Techniker und Ingenieure wohl mit Häftlingen zusammenarbeiteten. 

[47] Z.B. (GJ), S. 109. 

[48] Adam Cabala in (GJ), S. 164. 

[49] Z.B. (GJ), S. 109 und (JCW), S. 46. 

[50] Originaldokument in (JCW): S. 44. 

[51] Adam Cabala in (GJ), S. 166. 

[52] Nach (JCW), S. 49. 

[53] (GJ), S. 109: Bis Juni 1944 musste ein Teil der Häftlinge weiterhin in den Stollen leben. 

[54] Ausstellungstafel Gedenkstätte Mittelbau-Dora 

[55] (GJ), S. 111: Bis dahin wurden die Leichen zur Verbrennung lastwagenweise, teilweise für jeden sichtbar auf offener Ladefläche durch Nordhausen, nach Buchenwald ins Krematorium transportiert. 

[56] (JW), S. 60: Pro Monat kamen ab 1944 140 Menschen zu Tode, das entspricht statistisch 140/30=4,66 pro Tag. Aber Manfred Grieger weist in (TH), S. 52f darauf hin, dass systematisch eine “kosmetische” Korrektur der Sterbeziffern betrieben wurde, in dem man weiterhin schwerer erkrankte bzw. geschwächte Häftlinge in Vernichtungs- oder Sterbelager verlegte, wo sie getötet oder unversorgt dem Sterben überlassen wurden. Die Mittelwerk GmbH füllte das Arbeitskräftepotential im Gegenzug laufend mit Ersatzkräften aus Buchenwald auf. 

[57] Ausstellungstafel Gedenkstätte Mittelbau-Dora 

[58] Himmler befahl am 15. April 1945, dass in den Lagern, die kurz vor der Befreiung standen, keine Häftlinge lebendig zurückbleiben sollten. 

[59] Z.B. (GJ), S. 113. 

[60] Zu Kapos = Gruppenführern wurden gezielt entweder deutsche Kriminelle ernannt, die sich durch besondere Brutalität auszeichneten oder bewusst jeweils Angehörige anderer Nationen als die Häftlinge in der Gruppe, “um eine Nation gegen die andere auszuspielen” (Himmler in einer Rede vor Generälen der Wehrmacht am 21, Juni 1944. Auszug der Rede auf einer Informationstafel der Gedenkstätte Mittelbau-Dora). Sie hatten Privilegien: Keine Mitarbeit, bessere Ernährung, Nutzung eines Sportplatzes und des Bordells. 

[61] saarfuchs.com: Die KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora im Harz 

[62] Wikipedia: Walter Dornberger: Dornberger log 1969 unter Eid, in Peenemünde seien keine Zwangsarbeiter eingesetzt worden. In einem ihm unterzeichneten Besprechungsprotokoll vom 4. August 1943 heißt es dagegen deutlich: “Das Verhältnis der deutschen Arbeiter zu den KZ-Häftlingen soll 1:15, höchstens 1:10 betragen”. 

[63] (FK), S. 95.  

[64] (GJ), S. 114. Wikipedia: Arthur Rudolph: Am 11. November 1954 erhielt Rudolph die US-Staatsbürgerschaft. 1956 wurde Rudolph zum Technischen Direktor des Redstone-Raketenprojektes sowie zum Projektmanager des MGM-31 Pershing-Missile-Projektes ernannt und erhielt höchste Auszeichnungen. Er war Entwicklungsleiter des Saturn-Programm. 1982 wurde ihm aufgrund seiner Verbrechen in Mittelbau-Dora die US-Staatsbürgerschaft aberkannt und Rudolph emigrierte nach Deutschland, wo er 1996 in Hamburg starb. Das staatsanwaltliche Ermittlungsverfahren wurde 1987 aus Mangel an Beweisen eingestellt bzw. weil Vorwürfe verjährt waren ((GJ), S. 237). Franz Kurowski (FK) sieht Rudolph in seinem oft einseitigen Buch “rehabilitiert”, von einem Freispruch kann aber keine Rede sein. Er versteigt sich darin zu falschen Behauptungen, wie dass Zwangsarbeiter sich in deutschen Städten frei bewegen durften und “im Urlaub” in die Heimat fahren konnten ((FK), S. 79) und dass in Mittelbau-Dora niemals Juden eingesetzt wurden (u.a. S. 12ff und Kladdentext). Dass sich die Umstände der Zwangsarbeiter in Peenemünde kaum von denen der KZ-Häftlinge unterschieden, belegt Christian Mühldorfer-Vogt in (GJ), S. 88ff. Zwar hatte sich Hitler gegen den Einsatz von Juden zur Zwangsarbeit in Deutschland ausgesprochen, Dokumente beweisen jedoch, dass im KZ Mittelbau-Dora 1944 auch 472 ungarische Juden in Baubrigaden ausgebeutet wurden (JWC), S. 68). Sawatzki und Rudolph forderten für das Mittelwerk persönlich immer wieder “Ersatz”-Häftlinge in Buchenwald an – wenn es ihnen dort so gut gegangen wäre, wäre dieser “Nachschub” wohl kaum notwendig gewesen. 

[65] (GJ), S. 114. 

[66] Zitiert nach (JCW), S. 41: Kammler in einer Sitzung des “Jägerstabs” am 2. Mai 1944. 

[67] (JW), S. 63: “…habe mir gemeinsam mit Herrn Dr. Simon im Buchenwald einige weitere geeignete Häftlinge ausgesucht und bei Standartenführer Pister ihre Versetzung ins Mittelwerk erwirkt.” SS-Offizier Hermann Pister leitete das KZ Buchenwald 1941-45. 

[68] Zitiert nach (JW), S. 61. 

[69] Zitiert nach (JW), S. 60. 

[70] JW, S. 61 und (TH), S. 74: “Saboteure” wurden am Kran über den Werkbänken in den Stollen erhängt, also für jedermann sichtbar. 

[71] Adam Cabala in (GJ), S. 168f. 

[72] (TH), S. 33.  

[73] (GJ), S. 163: “Harmloses” Ziel dieser national organisierten Netzwerke war es, “Mithäftlinge zu schützen, die Lebensbedingungen der Mitgefangenen durch geschickte Einflussnahme auf die KZ-Verwaltung zu verbessern und Informationen, etwa über den Verlauf des Vormarsches des Alliierten, auszutauschen”. Dazu stand ihnen nach Cabala ((GJ), S. 170) sogar ein Kurzwellensender zur Verfügung. Ein Hauptorganisator des Widerstands war Oberst des polnischen Heeres und Teilnehmer am Warschauer Aufstand. 

[74] Adam Cabala in (GJ), S. 170. 

[75] Angeblich sollen russische Gefangene zum Jahrestag der Oktoberrevolution am 7./8. November 1944 die Sprengung der Mittelwerke vorbereitet haben. Möglicherweise war dies aber durch die SS provoziert worden, um für Durchsuchungen, Folterungen, Erhängungen und Erschießungen einen Vorwand zu schaffen. Auf dem Appellplatz des KZ wurden November 1944 bis März 1945 etwa 200 Häftlinge öffentlich erhängt oder erschossen ((GJ), S. 163). 

[76] (JW), S. 63. 

[77] (WD), S. 22: Walter Dornberger und Leo Zanssen (Kommandeur der Heeresversuchsanstalt Peenemünde) nach dem ersten erfolgreichen Start einer A4 im Oktober 1942. Auf S. 33 schwülstig: “Es war gläubig vorantastendes Schaffen, es gab das Glück des Erfolges, es gab das in untrennbarer Kameradschaft fortschreitende Zusammenarbeiten …”. Bedenkenswert zu dem Themenkreis Otto Ulrich in (TH), S. 61ff: Wohnt den Naturwissenschaften wegen ihres Anspruchs der Wertefreiheit und Abstraktion qua definitionem Amoralität, Kälte und Unmenschlichkeit inne? Und Wolfgang Neef in (TH), S. 71ff: Führen die “Faszination ‘großer Aufgaben'” einerseits und die Technikern und Ingenieuren eigene Mentalität der “Sach- und Zweckorientierung”, das Ideal vom blinden Funktionieren und einer Wirkungsgrad-Fixierung dazu, im Menschen nur noch (ungenügende) Produktions- oder eben Störfaktoren zu sehen? – Diese “blinde” Sachorientierung findet sich auch bei der Arbeitsgemeinschaft Daedalus (Raketenflugplatz Berlin), die Initiatoren sind aufs Technische fixiert, blenden das damit verbundene Menschliche (Elend) und die politische Haltung der Protagonisten weitgehend aus, werfen aber renommierten Historikern “Einseitigkeit” vor. 

[78] (WD), S. 298. 

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