Der sächsische Obelix

Bekanntlich ist Obelix nicht dick, sondern nur “etwas stark entwickelt”. Auf ähnliche Weise ist wahrscheinlich Friedrich August I., Kurfürst von Sachsen und König von Polen, um 1700 zu seinem Ehrentitel “August der Starke” gekommen. Stärke kann man Obelix wohl nicht absprechen, August der Starke demonstrierte diese unter Zeugen, als er mit bloßen Händen ein Hufeisen zerbrach. Zu seinen besten Zeiten wog der Kurfürst mehr als 110 Kilogramm, was sicher auch auf seine (damals als Krankheit unbekannte und unbehandelte) Diabetes zurückging, der er mit 3 bis 6 Flaschen Wein pro Tag nicht gerade entgegenwirkte (siehe auch Beitragsbild: Reiterstatue aus Elfenbein). Der Volksmund sagte ihm 365 uneheliche Kinder nach, nachgewiesen sind “nur” 8 – hier endet wohl auch der Vergleich zum gutmütigen Obelix, der erzwungenermaßen Single bleibt.

1670 wurde Friedrich August I. geboren und hatte als Jüngerer eigentlich kein Anrecht auf den kurfürstlichen Thron. Sein älterer Bruder, den er weder leiden konnte noch für fähig hielt, starb 1694 jedoch überraschend an Pocken – Gerüchten zufolge nicht ganz von selbst. So wurde “der Starke” mit 24 Jahren Kurfürst und krempelte Dresden in den Folgejahren gehörig um. Begünstigt wurden die ausgiebigen barocken Baupläne durch einen Großbrand, der 1685 die Altstadt (heute noch immer “Neustadt” genannt) nördlich der Elbe in Schutt und Asche legte. Wir möchten an dieser Stelle eigentlich keine Assoziation zum verrückten Kaiser Nero in Rom.

Der Goldene Reiter in Dresden
Den Bauch hat der Künstler für die Statue wegretuschiert …
© Bildrechte: Holgi @pixabay, bearb. v. Ekrim 09.06.2021

In den folgenden Jahrzehnten entstanden unter seiner Regentschaft Hofkirche, Zwinger, Taschenbergpalais, Japanisches Palais, Schloss Pillnitz, Schloss Übigau, Schloss Moritzburg u.a. Schon drei Jahre nach Thronbesteigung erkämpfte sich Friedrich August den polnischen Thron, wahrscheinlich wegen der Silberminen – “der Starke” hatte einen starken Faible für Pretiosen. Um überhaupt als Kandidat infrage zu kommen, wurde mal schnell vom Protestantismus zum Katholizismus gewechselt, doch die Sachsen durften evangelisch bleiben (bis dato zwang man die Untertanen ebenfalls zum Konvertieren).

Bei der Wahl zum polnischen König ging es nicht ganz mit rechten Dingen zu, also fast wie heute. In Polen wurde der König von der Ständeversammling gewählt, somit konnte es eine ganze Reihe an Bewerbern geben, z. B. einen Papstgünstling oder einen französischen Anwärter. Letzterer hatte in der Vorwahl die meisten Stimmen – und wurde kurzerhand von sächsischen Truppen nach Hause eskortiert, immerhin durfte er weiterleben.

Bis zu seinem Tode 1733 sorgte August der Starke in Dresden für eine wirtschaftliche Blüte, manche unterstellten ihm, dass dies auf Kosten einiger sächsischer Landregionen geschehen sei. Immerhin wurden unter ihm erstmals ökonomische Gesetze des Produzierens und Handelns erkannt und befolgt, die Leipziger Messe geschaffen. Das Porzellan wurde erstmals in Europa 1710 in Meissen mit etwas Nachdruck neu erfunden (bekanntlich stammte alles Porzellan bis dato aus China), Bauvorhaben und Pretiosen-Bearbeitung sorgten für Wohlstand im Handwerk. Welche überwältigenden Reichtümer Friedrich August I. anhäufen konnte, belegen heute noch die Ausstellungen im Dresdner “Grünen Gewölbe”.

© Rechte am Beitragsbild: Ekrim 2017

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